Stadtlexikon Darmstadt

Logo Darmstadt
Eckhardt, Christian Leonhard Philipp
Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Geodät, Leitender Beamter
* 01.07.1784 Dauernheim
† 20.12.1866 Darmstadt
Obwohl Christian Leonhard Philipp Eckhardt in jungen Jahren eine ausgesprochene Begabung für mathematische Wissenschaften zeigte, studierte er nach dem Schulbesuch in Büdingen 1802 bis 1804 in Gießen Jura, hörte aber nebenbei Vorlesungen in Physik und Astronomie. Schon während des Studiums wurde er Mitarbeiter des Militärkartografen Major Haas, der an der Kartierung Oberhessens arbeitete, und wandte sich daraufhin ganz der neuen Wissenschaft der Landesvermessung zu. 1809 wurde er nach Arnsberg als Direktor der Katasteraufnahme der hessischen Provinz Westfalen berufen, im August 1812 zum Regierungsrat ernannt. In Arnsberg entwickelte er die Methode der Landesvermessung durch Triangulation weiter und bildete junge künftige Vermessungsingenieure aus. Nach der Abtretung Westfalens an Preußen ging Eckhardt 1817 als Mitglied der Hofkammer nach DA und wurde hier mit der Einführung eines neuen einheitlichen Maß- und Gewichtssystems betraut, das sich nach dem französischen richtete und das Dezimalsystem mit dem älteren durch Gleichsetzung des Zolls zu ¼ Dezimeter und 32 Loth = ½ kg verband. Außerdem arbeitete Eckhardt an der Erstellung des hessischen Urkatasters nach dem trigonometrischen System. Bezugspunkt war der „Meridian von Darmstadt“, auch „Darmstädter Basis“ genannt, eine gerade Strecke von 7,749 m vom Turm der Darmstädter Stadtkirche zur Kirche in Griesheim, die Eckhardt bereits im Oktober 1808 zusammen mit seinem Freund Ludwig Johann Schleiermacher vermessen hatte. Diese Vermessung wurde zur Grundlage aller topografischen Karten sowie des Katasters und damit des Hypothekenwesens im Großherzogtum Hessen.

Man hat Eckhardt mit Recht als „Vater der hessischen Geodäsie“ bezeichnet. Daneben war er als Mitglied der 1821 neu gegründeten Oberfinanzkammer verantwortlich für die Einführung eines einheitlichen hessischen Steuerwesens. Im 1830 gegründeten Finanzministerium wurden ihm auch die Zuständigkeiten für die Forsten, das staatliche Bauwesen und die Eisenbahnen übertragen. Eckhardt schloss die Staatsverträge für den Eisenbahnbau ab und hatte ab 1843 die Oberleitung für den Bau der Main-Neckar-Bahn (Eisenbahn). Als Gründungsmitglied und erster Präsident des 1836 gegründeten Gewerbevereins für das Großherzogtum Hessen setzte er sich für die Industrialisierung und Entwicklung des hessischen Gewerbes sowie für die verbesserte Ausbildung von Handwerkern und Baumeistern ein (Berufliches Schulwesen, Ingenieurschule für Bauwesen). 1853 wurde er zum Regierungsvertreter bei der Gründung der Bank für Handel und Industrie ernannt (Banken). Außerdem war er seit 1848 Direktor der Staatsschulden-Tilgungskasse. Beide Ämter hatte er bis zu seinem Tode inne.

Eckhardt war einer der einflussreichsten Darmstädter Regierungsbeamten der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Trotz seiner vielfältigen beruflichen Aufgaben widmete er sich in seiner Freizeit und nach seiner Ruhestandsversetzung wissenschaftlicher Forschung, v. a. auf dem Gebiet der Astronomie und Mathematik, und veröffentlichte u. a. ein Lehrbuch der Analysis, einen „Leitfaden für die Vorlesungen auf dem Katasterbureau“ und eine mehrfach nachgedruckte Sternenkarte. Für seine Verdienste erhielt Eckhardt hessische, badische, bayerische und preußische Verdienstorden, war Ehrendoktor der Universität Gießen und Ehrenmitglied mehrerer Gewerbevereine. Die Eckhardtstraße im Martinsviertel wurde im Oktober 1903 nach ihm benannt.

Lit.: Rößling, Karlheinz: Die Geschichte des Katasters in Hessen-Darmstadt, 2 Bde., Wiesbaden 1996 (Mitteilungen der DVW-Landesvereine Hessen e. V. und Thüringen e. V., Sonderheft 1/1996), S. 327-338; Darmstädter Ehrengräber, Darmstadt 2016 (Darmstädter Schriften 105), S. 51-53.