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Bergsträsser, Ludwig
Ludwig Bergsträsser, Gemälde von Eberhard Schlotter, 1947, Hessisches Staatsarchiv Darmstadt

Historiker, Politiker
* 23.02.1883 Altkirch/Elsass
23.03.1960 Darmstadt
Die hessische Ahnenreihe der Bergsträssers beginnt im Dreißigjährigen Krieg mit Schultheiß Johann Peter Bergsträsser (1644-1713) in Malchen. Der Breuberger Amtmann Georg Friedrich Bergsträsser (1800-1847) war im Vormärz liberaler Abgeordneter im Darmstädter Landtag. Sein jüngster Spross Arnold wurde 1872 Amtsrichter im neuen „Reichsland“ Elsass-Lothringen, wo der Sohn Ludwig zur Welt kam. Nach dem Abitur in Colmar studierte dieser zunächst gemäß Familientradition Jura, dann Geschichte in Heidelberg, München, Paris und Leipzig. Die Dissertation galt dem Elsässer Christian Friedrich Pfeffel, die Habilitationsschrift der „Vorgeschichte der Zentrumspartei“. Privatdozent in Greifswald, wurde Ludwig nach dem Ersten Weltkrieg Mitarbeiter der Forschungsabteilung des neuen Reichsarchivs und publizierte 1921 seine grundlegende „Geschichte der politischen Parteien in Deutschland“. 1924/28 sammelte er als Reichstagsabgeordneter der DDP eigene politische Erfahrungen. Seit 1930 SPD-Mitglied, musste er seine Arbeit als Leiter der Frankfurter Außenstelle des Reichsarchivs, wo er die Geschichte der Nationalversammlung von 1848/49 schreiben sollte, 1933 aufgeben. Man zog in das Haus der mütterlichen Familie in DA und wurde 1944 in den Odenwald evakuiert.

Nach dem Einmarsch der US-Truppen zunächst „liaison officer“ und Übersetzer, erhielt Bergsträsser bereits am 14.04.1945 den Auftrag zum Aufbau einer „provisorischen Regierung“ für Starkenburg, die mit der Angliederung Oberhessens kurzzeitig „Deutsche Regierung des Landes Hessen“ wurde. Von der Gründung des Landes „Groß-Hessen“ im September 1945 bis 1948 war er Regierungspräsident in DA, wirkte aber zugleich maßgeblich an der Ausarbeitung der hessischen Landesverfassung mit. Besonderer Einsatz galt der politischen Bildung, der Einführung von „staatsbürgerlichem Unterricht“ an den hessischen Schulen und der Schaffung politikwissenschaftlicher Professuren an den Hochschulen. Als Mitglied im Parlamentarischen Rat auch am Grundgesetz beteiligt, wurde er im August 1949 als SPD-Direktkandidat für Groß-Gerau/Main-Taunus in den Bundestag gewählt, verzichtete aber 1953 auf die Wiederwahl. Politik und Geschichte verband er in der Arbeit für das neue „Institut für Zeitgeschichte“ wie für die „Kommission zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien“. Seit 1950 war er Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Alten Friedhof in DA.

Lit.: Ludwig Bergsträsser, Befreiung, Besatzung, Neubeginn. Tagebuch des Darmstädter Regierungspräsidenten 1945-1948, hrsg. Walter Mühlhausen, Darmstadt/München 1986; Franz, Eckhart G.: Ludwig Bergsträsser. In: Einheit und Freiheit. Hessische Persönlichkeiten und der Weg in die Bundesrepublik Deutschland, Wiesbaden 2000, S. 187-200.