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Bontschits, Jovanka
Quelle: TU Darmstadt Universitätsarchiv

Architektin
* 05.07.1887 Niš
† 27.12.1966 Belgrad
Jovanka Bontschits wurde als Tochter des Juristen und Richters Michael Bontschits und seiner Frau Katharina geb. Petrowits in der serbischen Stadt Niš, ca. 150 Kilometer südöstlich von Belgrad gelegen, geboren. Nach Schulbesuchen in Pozarevac und Vranje machte sie 1905 das Abitur in Belgrad. Anschließend studierte sie sieben Semester Architektur an der Universität Belgrad und absolvierte ein Praktikum bei der Serbischen Staatsbahn. Zum Wintersemester 1908/09 kam Jovanka Bontschits an die Technische Hochschule in Darmstadt, die seit 1908 Frauen als vollwertige Studierende aufnahm. Hier studierte sie als eine der ersten Frauen Architektur in den Räumen des 1895 erbauten Hauptgebäudes an der Hochschulstraße. Zunächst war sie in der Magdalenenstraße gemeldet, ab 1910 für einige Monate in der Soderstraße bei dem Direktor der Gewerbe- und Handwerkerschule Ferdinand Meisel. Ab 1911 wohnte sie in der Schloßgartenstraße zusammen mit ihrer Mutter, die sich für drei Monate in Darmstadt aufhielt. Nach der Diplomvorprüfung im April 1911 folgte eine Vertiefung im Schwerpunkt Hochbau. Im Sommer 1912 hielt Bontschits sich für zwei Monate in Gießen auf. Am 18. Juli 1913 verlieh ihr die TH Darmstadt den Titel „Diplom-Ingenieur“. Sie war damit eine der ersten Frau im Deutschen Reich, die diesen Titel erhielt (Studium von Frauen). Die Berliner Illustrierte Zeitung nahm dies am 3. August 1913 zum Anlass, auf dem Titel ein Foto von ihr inmitten ihrer ausschließlich männlichen Kommilitonen abzudrucken. Im selben Monat meldete sie sich von Darmstadt nach Belgrad ab.
1914 heiratete Jovanka Bontschits den russischen Architekten Andrej Katerinic, den sie als Kommilitone an der TH Darmstadt kennengelernt hatte. Zusammen mit ihm lebte sie in Sankt Petersburg, Riga und Kiew. Um der russischen Revolution und deren Folgen zu entkommen, übersiedelte das Paar 1922 nach Belgrad. Im jugoslawischen Bauministerium leitete die dreifache Mutter das Referat Universitätsbau. Sie war verantwortlich für zahlreiche Gebäude im Bildungs- und Kulturbereich. Zu ihren bekanntesten Bauwerken gehörte der Kursalon in Banja Koviljaca, das Kulturzentrum in Banja Luka und Universitätsgebäude für die Lehrerinnenausbildung und Veterinärmedizin in Belgrad. 1928 erhielt sie den Orden des heiligen Sava und zehn Jahre später den Orden der jugoslawischen Krone. 1945 ging sie in den Ruhestand. Seit 2001 verleiht die TU Darmstadt den Jovanka-Bontschits-Preis des Fachbereichs Material- und Geowissenschaften, seit 2013 erinnert auf dem Campus Lichtwiese der TU Darmstadt eine Straße an sie.

Lit.: Kümmel, Verena/Zybell, Uta (Hg.): 100 Jahre Studium von Frauen an der TU Darmstadt, Dokumentation der Ausstellung, Darmstadt 2008.