Stadtlexikon Darmstadt

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Bauer, Hans

Regisseur
* 16.08.1914 Berlin
† 04.11.1970 Binningen/Schweiz
Hans Bauer wurde in Berlin-Neukölln geboren. Sein Vater Karl Bauer, von Beruf Maler, verließ die Familie bereits nach vier Jahren. Ende 1926 verstarb seine Mutter Elsbeth und Hans wurde von einer Tante adoptiert. Er besuchte die Luisenstädtische Oberrealschule in Berlin und machte 1934 Abitur. Da seine Adoptivmutter 1930 verstarb, lebte er zeitweise in einem städtischen Waisenhaus und in der Familie eines Musiklehrers. Von 1935-37 besuchte Hans Bauer die Schauspielschule am Preußischen Staatstheater in Berlin und erlangte nach bestandener Abschlussprüfung sein erstes Engagement am Nordmark-Landestheater in Schleswig. Ab September 1939 leistete er Kriegsdienst und geriet am Ende des Zweiten Weltkriegs in amerikanische Gefangenschaft, aus der er im Juni 1945 entlassen wurde. Sein erstes Engagement nach dem Krieg hatte Bauer am Staatstheater Braunschweig, 1948/49 war er Intendant der Lüneburger Bühne. Nach Regietätigkeiten in Bonn, Köln, Hannover, Düsseldorf und Wuppertal war Hans Bauer 1961 bis 1965 Oberspielleiter am Landestheater DA. Seinen größten Erfolg in Darmstadt feierte er mit der Einladung zum Berliner Theatertreffen 1965 mit dem Stück „Dona Rosita oder die Sprache der Blumen“ von Frederico Garcia Lorca. Danach produzierte er v.a. Gastinszenierungen in Amsterdam, Darmstadt, Frankfurt/M. und zuletzt am Stadttheater Basel. Bauers Spezialität waren subtile, poetische Stücke der Moderne, insbesondere des Absurden Theaters. Mit Sinn für Atmosphäre und Zwischentöne gestaltete er in rhythmischer Präzision situationsprägende Arrangements. Bei Klassikern griff er auf zwiespältige Werke (wie etwa Kleists „Familie Schroffenstein“) zurück, in denen er sein Konzept des Absurden einbauen konnte.
Bauer war in erster Ehe mit der Schauspielerin Marie-Luise Etzel (1925-1986) und in zweiter Ehe mit Wilhelmine Ott verheiratet.

Lit.: Hans Bauer, Regisseur. Hrsg. von Gerhard F. Hering und Hans-J. Weitz, Frankfurt/Main 1974.