Stadtlexikon Darmstadt

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Ziegelhütte, Künstlerhaus
Freiplastikausstellung auf der Ziegelhütte, 1988, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

(Kranichsteiner Straße 110) Das ist eine liebenswerte Station am Rande des Martinsviertels und des Bürgerparks Nord, dort wo die Stadt so langsam ausdünnt auf dem Weg nach Kranichstein. Das Künstlerhaus Ziegelhütte füllt eine Nische im reichen kulturellen Angebotsreigen der Stadt – es hat ein vielseitiges Angebot und den Charme einer anderen Zeit. Das Haus ist rund 300 Jahre alt, hat drei verschiedene Veranstaltungsebenen und einen schönen eingefriedeten Garten. „Uf de Dsijelhit“ war die Gewannbezeichnung für das Gelände um die Tongruben im nördlichen DA zwischen Kranichsteiner Straße und Kastanienallee. Es war Vorstadtidylle mit Feld, Wiesen und Schrebergärten rund um die alte Ziegelei. Willi Berntheisel war von 1934 bis 1972 der letzte Betreiber. Die Gebäude hatten den Krieg gut überstanden, aber die Ziegelei war in einem maroden Zustand. Pit Ludwig, Theaterfotograf, Sezessionspräsident und Allroundgenie, hat in den 1970er Jahren die Scheune auf dem Ziegeleigelände zu seinem Wohnhaus und Atelier umgebaut. Das ehemalige Wohnhaus und „Kontor“ der Ziegeleibetreiber war seine unmittelbare Nachbarschaft. Er setzte sich für die Rettung ein.

Was jetzt ein Haus für Kunst und Künstler ist, war im Laufe der Jahre mehrfach verändert und erweitert worden, wie das Balkengerüst ausweist. Seine schöne, barocke Form blieb erhalten, während die Bausubstanz immer mehr verfiel. Zuletzt war das Gebäude in einem so desolaten Zustand, dass ihm der Abriss drohte, auch weil es hautnah an der sehr verkehrsreichen Kranichsteiner Straße steht. Die errechneten Renovierungskosten waren beträchtlich. Es musste ein Weg gefunden werden, über Spenden und öffentliche Mittel die Erhaltung zu ermöglichen. Als Ausweg wurde 1983 das Anwesen in Erbpacht auf den neugegründeten Verein Künstlerhaus Ziegelhütte e.V. übertragen, der für Instandsetzung und Betrieb die Verantwortung übernehmen musste. Das Haus wurde sparsamer, aber zweckmäßig und originell renoviert. Die Stadt DA unterstützte die Sanierung, ebenso Darmstädter Unternehmen und Institutionen sowie ein von Anfang an großer Freundeskreis.

Seitdem hat es hier einen bunten Reigen an interessanten und außergewöhnlichen Veranstaltungen gegeben. Das Haus war Heimat der internationalen Künstlerpleinairs, ist Treffpunkt für Begegnungen, Sitzungen, Mitgliederversammlungen, Gedankenaustausch, Jurysitzungen, Übernachtungsstation, es werden hier Künstlergeburtstage gefeiert u.v.m. Von Oktober bis Mai finden Veranstaltungen verschiedenster Art statt, es gibt den Kunst- und Kunsthandwerksmarkt KKK, Künstlergespräche, Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. In den Veranstaltungsräumen finden 50-70 Personen Platz, und es ist immer ein engagierter, aktiver und positiver Kreis, der hier zusammenkommt und sich mit einbringt. Die Geschäftsführung des Künstlerhauses hat hier ein Büro, ebenso die Darmstädter Sezession, und seit 2013 hat auch der Presseclub Darmstadt e.V. hier seinen Sitz.

Die Präsidenten des Künstlerhauses Ziegelhütte waren zunächst der Bildhauer Gotthelf Schlotter, danach der frühere OB Günther Metzger und von 2003 bis 2013 der Journalist Wolfgang Nette, seit 2013 ist dies Liane Palesch, die seit der Gründung des Vereins die Geschäftsleitung hatte. Ebenfalls seit 2013 ist Annekatrin Roth 2. und geschäftsführende Vorsitzende.