Stadtlexikon Darmstadt

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Werling, Oskar
Foto: Stadtarchiv, Sabine Lemke

Gärtner
* 24.04.1889 Brendlorenzen/Landkr. Bad-Neustadt
+ 26.03.1969 Darmstadt
Bereits in den 1920er Jahren war Oskar Werling als Friedhofsgärtner des Jüdischen Friedhofs in der Seekatzstraße in Bessungen tätig. Er wurde von Zeitzeugen als einfacher Mann bezeichnet, der sich mit seiner Arbeit stark identifizierte. In der Zeit des Nationalsozialismus musste die Jüdische Gemeinde DA Werling entlassen, da Juden allgemein die Beschäftigung von „Ariern“ untersagt war (Juden in DA, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit). Eigenen Angaben zufolge war er dort bis 1942 als Friedhofsdiener tätig. Obwohl ihm die Arbeit verboten war und er keine Bezahlung mehr erhielt, kümmerte sich Werling weiterhin um „seinen“ Jüdischen Friedhof, pflegte und hütete das Areal. Einmal verteidigte er den Ort gar gegen einen antisemitisch motivierten Übergriff. Mit den Worten „Macht euch fort, ihr habt hier nichts zu suchen“ soll er einen anrückenden SA-Trupp vertrieben und den Friedhof so vor einer möglichen Schändung bewahrt haben. Entgegen einem entsprechenden Verbot bestattete er zudem Urnen mit der Asche von in Konzentrationslagern verbrannten Juden aus Darmstadt auf einem über den Friedhof führenden Fußweg, wo sie sich bis heute befinden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg stand Werling in Diensten einer Gärtnerei und übernahm wieder ganz offiziell, im Auftrag der Jüdischen Gemeinde, seine Aufgaben als Friedhofsgärtner auf dem Jüdischen Friedhof. An
Oskar Werlings „Akt ungeheurer Zivilcourage“ (OB Walter Hoffmann 2007) erinnert heute eine kleine Gedenktafel an der Trauerhalle.

Lit.: Darmstädter Ehrengräber, Darmstadt 2016 (Darmstädter Schriften 105), S. 248f.