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Wedekind, Georg Freiherr von
Stadtarchiv Darmstadt

Mediziner
* 08.01.1761 Göttingen
† 28.10.1831 Darmstadt
Vater Rudolf Wedekind (1716-1778), der aus einer alten niedersächsischen Bauernfamilie stammte, war Gymnasialdirektor und Philosophieprofessor in Göttingen. Sohn Georg beendete das medizinische Studium in Göttingen und Erlangen schon 1780 mit der Doktorprüfung, heiratete die Tochter des Oberkommissars und Bürgermeisters Moller in Hameln und wurde 1781 Landphysicus in Diepholz. Nach einer Zwischenstation in Mülheim bei Köln wurde er durch Vermittlung seines Mentors Christoph Ludwig Hoffmann 1787 kurfürstlicher Leibarzt und Professor an der Medizin-Fakultät der Mainzer Universität. Der Aufklärer Wedekind blieb in Mainz, als der kurfürstliche Hof sich vor den französischen Revolutionstruppen nach Aschaffenburg zurückzog, war im Winter 1792/93 Gründungsmitglied und Präsident des Mainzer Jakobiner-Clubs und flüchtete im März mit den Franzosen aus der belagerten Festung, während seine Frau in Königstein und Kronberg inhaftiert wurde. 1797 als Leiter des Militärlazaretts nach Mainz zurückgekehrt und erneut Professor und Medizinalrat beim neu errichteten Departement Donnersberg, kam er im Frühjahr 1805 als Chefarzt des Resevekorps Lefèbvre für mehrere Monate nach DA. Drei Jahre später berief ihn der typhuskranke Großherzog Ludewig I. dorthin zum Leibarzt. Als Geheimer Hofrat mit erblichem Freiherrntitel wurde der Ex-Jakobiner rasch enger Vertrauter des Fürsten. 1816 war er Mitbegründer der Darmstädter Freimaurerloge „Johannes der Evangelist zur Eintracht“ (Logen), für die der von Wedekind nach DA vermittelte Neffe Georg Moller das klassizistische Logenhaus (Moller-Haus) baute. Wedekinds umfängliches Publikationsverzeichnis nennt neben einer Fülle medizinischer Titel auch eine ganze Reihe von Freimaurer-Schriften. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Alten Friedhof in DA.

Lit.: Hessische Biographien. In Verbindung mit Karl Esselborn und Georg Lehnert hrsg. von Hermann Haupt, Darmstadt 1918-1934, Bd. 2, S. 421-426; Weber, Martin: Georg Wedekind. Ein Arzt im Zeitalter der Aufklärung und der Französischen Revolution (Soemmerring-Forschungen 4), Stuttgart 1988.