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Thiess, Frank

Schriftsteller
* 13.03.1890 Eluisenstein/Livland
† 22.12.1977 Darmstadt
Frank Thiess hat in Berlin und Tübingen Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und den Dr. phil. erworben. Nach seiner Soldatenzeit im Ersten Weltkrieg wurde er Redakteur am „Berliner Tageblatt“, dann 1920 Dramaturg an der Volksbühne Stuttgart. Von 1923 an lebte Thiess als freier Schriftsteller u. a. in Berlin, Wien, Rom und Bremen und ab 1952 in DA. 1952 bis 1954 gab er die „Neue Literarische Welt“ heraus. Er hat eine Vielzahl von Romanen und Novellen verfasst, in denen es vor allem um psychologische und erotische Konflikte und Verwirrungen geht. Neben Dramen schrieb Thiess auch kulturphilosophische Essays und dachte europäisch. Er propagierte Elitedenken und stand der Demokratie ebenso skeptisch gegenüber wie der die Zeit immer mehr bestimmenden Technik.

Aufsehen erregte er, als er nach 1945 in einem offenen Brief Thomas Mann attackierte und erklärte, es wäre wichtiger gewesen auf dem Posten in Deutschland auszuharren, statt von Logenplätzen aus dem Ausland der deutschen Tragödie zuzuschauen. Er beanspruchte für sich die Rolle des „kleinen Helden“ in der inneren Emigration. An dieser Stelle muss die Kritik an Thiess ansetzen, weil er durchaus versuchte, seine Romantrilogie anzupassen. Damit sie im Dritten Reich veröffentlicht wurde, war er sogar bereit, Passagen antisemitisch darzustellen, ohne damit den gewünschten Erfolg zu erzielen. Er galt als Autor, der zwar geduldet, aber nicht gefördert wurde. In den ersten Jahren der Bundesrepublik wurde Thiess vielfach ausgezeichnet und spielte auch im Literaturbetrieb eine herausgehobene Rolle. Sein bedeutendstes Werk ist der Roman „Tsushima“ (1936). Von 1949 bis 1953 war Frank Thiess Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, dort zwischen 1950 und 1952 einer der Vizepräsidenten. Die Stadt DA bedachte ihn 1955 mit der Johann-Heinrich-Merck-Ehrung und 1960 mit der Silbernen Verdienstplakette. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Waldfriedhof, der Thiessweg auf der Rosenhöhe ist nach ihm benannt.

Lit.: Italiaander, Rudolf: Frank Thieß, Werk und Dichter, Hamburg 1950; Sarkowicz, Hans / Mentzer, Alf: Literatur in Nazi-Deutschland, Hamburg, Wien 2000.