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Nono, Luigi
Bruno Maderna, David Tudor, Wolfgang Steinecke und Luigi Nono (v.l.n.r.) bei den 14. Internationalen Ferienkursen für Neue Musik, Darmstadt 1959, Foto: Hella Steinecke, © Internationales Musikinstitut Darmstadt

Komponist
* 29.01.1924 Venedig
† 08.05.1990 Venedig
Nach dem Jurastudium in Padua (1942-1946) setzte Luigi Nono seine bereits 1941 bei Gian Francesco Malipiero in Venedig begonnenen musikalischen Studien bei Bruno Maderna und Hermann Scherchen fort. An den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik nahm Nono 1950 erstmals teil. Seine erste Komposition „Variazioni canoniche sulla serie dell'op.41 di Arnold Schoenberg“ wurde hier von Hermann Scherchen uraufgeführt. Die Aufführung rief heftigste Reaktionen hervor, markierte aber dennoch Nonos Durchbruch als Komponist. Gemeinsam mit Pierre Boulez (1925-2016) und Karlheinz Stockhausen (1928-2007) galt er bald als wichtigster Repräsentant neuen seriellen Komponierens und als Schlüsselfigur der Europäischen Avantgarde. Bis 1960 nahm Nono regelmäßig an den Ferienkursen teil, bei denen sieben seiner Kompositionen uraufgeführt wurden. Mit seinem 1959 bei den Ferienkursen gehaltenen Vortrag „Geschichte und Gegenwart in der Musik von heute“ machte er jedoch die Inkohärenz der so genannten „Darmstädter Schule“ deutlich und grenzte sich sowohl von deterministischen, an naturwissenschaftlichen Modellen orientierten ästhetischen Ansätzen als auch von John Cages Konzept der Zufallskomposition ab. Für Nono – seit 1952 Mitglied der italienischen KP und in den 1970er Jahren auch in deren Zentralkomitee – gewann die Thematisierung politischer  Bezüge in den 1960er Jahren immer größere Bedeutung. Seine 1960 begonnene intensive Beschäftigung mit elektronischer Klangumwandlung mündete in den 1980er Jahren in der engen Zusammenarbeit mit dem Experimentalstudio der Heinrich-Strobel-Stiftung des SWR e. V., die schließlich zur Entwicklung eines „neuen Musiktheaters!“ mit den Mitteln der Live-Elektronik führte. 1990 wurde Nono mit dem Berliner Kunstpreis ausgezeichnet.

Lit.: Stenzl, Jürg: Luigi Nono. Reinbek 1998; Drees, Stefan: Luigi Nono. In: Komponisten der Gegenwart, hrsg. von Hanns-Werner Heister und Wolfgang Sparrer.