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Moritz Friedrich Karl Emanuel Humbert Landgraf von Hessen
Foto: Hessische Hausstiftung Kronberg

Diplom-Landwirt und Unternehmer
* 06.08.1926 Schloss Racconigi, Piemont
† 23.05.2013 Frankfurt/Main
Moritz war der älteste Sohn von Philipp Landgraf von Hessen (1896-1980) und Mafalda Prinzessin von Savoyen (1902-1944), einer Tochter des Königs Viktor Emanuel III. von Italien. Er verbrachte seine Kindheit in Rom und auch in Kassel, nachdem sein Vater 1933 zum Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau ernannt worden war. Mit seinem Bruder Heinrich (1927-1999) besuchte er in Kassel die Volksschule und später die Internate in Neubeuern bei Rosenheim und Bieberstein bei Fulda. 1943 wurde er als ‚Luftwaffenhelfer‘ zum Kriegsdienst eingezogen. Das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebte er auf Schloss Friedrichshof in Kronberg bei seiner Großmutter Landgräfin Margarethe (1872-1954). Nach Beschlagnahmung des Schlosses durch die US-Armee lebte er mit seinen Geschwistern in Wolfsgarten bei Ludwig Prinz von Hessen und bei Rhein (1908-1968) und seiner Frau Prinzessin Margaret, geb. Campbell-Geddes (1913-1997). Moritz legte sein Abitur auf dem Liebig-Gymnasium in Darmstadt ab, absolvierte ein zweijähriges landwirtschaftliches Praktikum und studierte danach in Kiel Landwirtschaft. Verwaltungserfahrung erwarb er durch seine Tätigkeiten auf den Besitzungen der Kurhessischen Hausstiftung in Ostholstein. Das Herrenhaus auf Gut Panker richtete er sich nach 1954 als Wohnsitz ein.

1960 wurde er von Prinz Ludwig, dem kinderlosen Oberhaupt der großherzoglichen Linie Hessen-Darmstadt, und Prinzessin Margaret adoptiert und als Erbe eingesetzt. Prinzessin Margaret übertrug noch zu Lebzeiten 1986 als Vorerbin den großherzoglichen Kunstbesitz und Schloss Wolfsgarten auf die Kurhessische Hausstiftung, die sich seitdem Hessische Hausstiftung nennt. Durch den Erbgang wurden die beiden seit 1567 getrennten Hauptlinien des Hauses Hessen (Hessen-Darmstadt und Hessen-Kassel) wiedervereinigt. Nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1980 wurde Moritz Oberhaupt des Gesamthauses Hessen und übernahm die Geschäftsführung der Kurhessischen Hausstiftung von seinem Onkel Wolfgang (1896-1989), der diese seit 1948 geleitet hatte, und führte sie selbst bis zum Jahre 2008.
Moritz heiratete 1964 in Kronberg Tatiana Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (* 1940). Die Ehe wurde 1974 in Kiel geschieden. Von seinen vier Kindern folgte ihm sein ältester Sohn Heinrich Donatus Philipp Umberto (* 1966) als Landgraf von Hessen und Chef des Gesamthauses nach, der bereits 2008 zum geschäftsführenden Vorstandsmitglied der Hessischen Hausstiftung ernannt wurde. Nach dem Tod von Prinzessin Margaret 1997 richtete Moritz seinen Hauptwohnsitz auf Schloss Wolfsgarten ein.

Sein Interesse galt nicht allein der Pflege, Ergänzung und Präsentation des ererbten Familienbesitzes (insbesondere den Kunstwerken im Museum von Schloss Fasanerie), sondern allgemein der Kunst- und Kulturförderung in Hessen, wofür er 1999 durch Verleihung der zwei Jahre zuvor gestifteten Georg-August-Zinn-Medaille geehrt wurde. So engagierte er sich beispielsweise für das Institut für Neue Technische Form in Darmstadt und förderte die 1993 als Internationale Kammermusik-Akademie gegründete Kronberg Academy. Im Jahre 2002 widmete ihm die Hessische Historische Kommission Darmstadt und die Historische Kommission für Hessen anlässlich seines 75. Geburtstags den Band „Das kulturelle Erbe des Hauses Hessen“. Moritz von Hessen starb im Alter von 86 Jahren in Frankfurt an einem Lungenleiden. Die Trauerfeier fand am 3. Juni 2013 in der St. Johanniskirche in Kronberg im Taunus statt. Beigesetzt wurde er in der Familiengrablege auf der Burg Kronberg.

 

Lit.: Eckhart G. Franz: Das Haus Hessen, Stuttgart 2005, S. 205f.; Eckhart G. Franz / Hans-Peter Lachmann (Hrsg.): Das kulturelle Erbe des Hauses Hessen, 2. Auflage 2009, Darmstadt und Marburg 2009; Rainer von Hessen: Artikel: Moritz Landgraf von Hessen, in: Eckhart G. Franz (Hrsg.): Haus Hessen – Biografisches Lexikon, Darmstadt 2012, S. 189f.; Rainer von Hessen: Die Hessens. Geschichte einer europäischen Familie, Petersberg 2016, S. 131-133.