Der Altbau des Marienhospitals gehört zu den wenigen reinen Jugendstilhäusern DAs unterhalb der Mathildenhöhe. Das Gebäude entstand 1905/06 nach Plänen des Darmstädter Architekten Karl Klee (1871-1927). Auftraggeber war der Darmstädter Maschinenfabrikant Goebel (Maschinen- und Apparatebau). Er hatte sich von Klee eine imposante Villa planen lassen, in der er mit seiner Familie lebte. Weil das Anwesen am Martinspfad neben einem kleinen Forellenteich lag, nannte Goebel sein Haus „Haus am Forellenteich. Klee gab sich beim Entwurf des pompösen Wohnhauses viel Mühe mit den gestalterischen Details. Das Vordach am Haupteingang besteht aus einer filigranen Metallkonstruktion mit Glasfüllung. Eine Kristall-Leuchte vervollständigt das Entree, das mit fast jeder Metro-Station in Paris konkurrieren könnte. Gleich neben dem Eingang mit reich verzierter Tür erregen Kellerfenstergitter mit aufwändigem Blütendekor die Aufmerksamkeit der Besucher. In flotten Jugendstillettern hat sich Klee selbst als Planer im Stein verewigt, zusammen mit Hinweisen auf das Baualter des Hauses. Über der Holztür mit schmiedeeisernem Dekor prangt der Name der Villa „Haus am Forellenteich“. Der Turmstumpf unter der großen mit Grünspan patinierten Kuppel ist aus dunklem Holz geschnitzt. Züngelnde Drachen fernöstlicher Herkunft speien nach Regengüssen Wasser vom biberschwanzgedeckten Dach. Karl Klee gehörte zu den wenigen freischaffenden Darmstädter Architekten, die sich gelegentliche Ausflüge ins Jugendstildekor erlaubten. Parallel zu dieser Villa baute Klee 1905/06 ein weiteres Projekt mit imposantem Jugendstilschmuck: die Hofmöbelfabrik Alter in der Kirschenallee. Das gut erhaltene Fabrikgebäude beherbergte das Haus für Industriekultur als Außenstelle des Hessischen Landesmuseums, ist aber seit Ende 2023 wegen Baufälligkeit geschlossen.
Seit 1930 gehörte das Haus am Forellenteich mitsamt seinem Park und allen Nebengebäuden dem Orden der Schwestern von der Göttlichen Vorsehung. Der Architekt Max Melsheimer (*1890) erweiterte die Villa damals um einen großen Bettentrakt und baute das alte Anwesen zum Krankenhaus um. Mit zur denkmalgeschützten Villa gehören die einstige Remise mit Kutscherhaus und der kleine Tempel im Park. Remise und Kutscherhaus beherbergten lange die Wäscherei des Krankenhauses und die Wohnung des Seelsorgers. Nach der Zerstörung der Stadt im September 1944 bot das fast unbeschädigte Krankenhaus vielen Verletzten Zuflucht. Seit Beginn der 1990er Jahre hat das Marienhospital sein Klinikum erheblich erweitert und dabei auch die alte Goebel’sche Villa denkmalgerecht saniert. Die hohen Räume rings um das imposante Treppenhaus wurden zu Arztpraxen umgebaut, im Erdgeschoss entstand ein öffentliches Café. Auch die Kapelle des Krankenhauses hatte dort ihren Platz.
Das Marienhospital war bis zum Sommer 2012 ein reines Belegkrankenhaus, bevor es im Juli 2012 seine erste eigene Hauptabteilung eröffnete – die Klinik für Innere Medizin, in der festangestellte Ärzte die Versorgung der Patienten übernahmen. Damit kombinierte das Marienhospital erfolgreich das Belegarzt- und Chefarztsystem. Darüber hinaus befand sich hier eine der beliebtesten Geburtskliniken in Südhessen.
Im Mai 2015 übergaben die Schwestern von der göttlichen Vorsehung das Marienhospital an die Klinikum Darmstadt GmbH, da sie das Haus aufgrund hoher Defizite nicht mehr betreiben konnten. Da das Krankenhaus aufgrund seiner geringen Größe defizitär arbeitete und zusätzlich neue gesetzliche Vorgaben den Betrieb des kleinen Hauses und auch die Notfallversorgung unmöglich machten, leitete das Klinikum im April 2019 einen Prozess der Konzentration ein. Die Klinik für Innere Medizin und die Geburtenklinik wurden an den Hauptstandort an der Grafenstraße verlegt. Dort wurde die Frauenklinik entsprechend erweitert, um die knapp 1000 jährlichen Geburten des Marienhospitals zu übernehmen.
Nach einem etwa zweijährigen Umbau und der Teilsanierung der Gebäude zog im März 2021 die Klinik für Psychosomatische Medizin und für Psychotherapie vom Standort Eberstadt in das Marienhospital um, wobei die Kapazitäten von 60 auf 100 Plätze erweitert wurden. Der geplante Aufbau eines Zentrums zur neurologischen Frührehabilitation kam nicht zustande. Mit der neuen Nutzung sollte der Standort des Marienhospitals für die Zukunft gesichert werden. Die dort ansässige Malteser Migranten Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung blieb ebenso dort ansässig wie ein augenärztliches Versorgungszentrum in der alten Villa. 2027 soll dort das Gesundheitsamt für Darmstadt und den Kreis Darmstadt-Dieburg einziehen.
Lit.: Grimm, Immo / Kauder,Wolfgang: Das Marienhospital Darmstadt. Vom Ordenshospital zur Klinikum-GmbH, Darmstadt 2018.