Stadtlexikon Darmstadt

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Lincoln- und Jefferson-Siedlung
Lincoln-Siedlung und im Hintergrund Cambrai-Fritsch-Kaserne, 2005, Foto: Nikolaus Heiss, Darmstadt

(Lincoln and Jefferson Village) Die beiden westlich der Heidelberger Landstraße und südlich der Cambrai-Fritsch-Kaserne gelegenen amerikanischen Wohnsiedlungen wurden zu Beginn der 1950er Jahren für die in der Cambrai-Fritsch-Kaserne stationierten Angehörigen der US-Streitkräfte errichtet (233rd Base Support Battalion, 22nd Signal Brigade, 440th Signal Battalion). Für die ältere Jefferson-Siedlung auf der Ludwigshöhe wurde der Erste Spatenstich am 16.03.1951 durch Col. Gilbreth und Bürgermeister Ernst Schroeder vollzogen, und bereits am 15.10.1951 war der erste Wohnblock bezugsfertig. Die weit größere Lincoln-Siedlung zwischen Noack- und Cooperstraße befand sich seit September 1953 in Planung, hier wurde der Erste Spatenstich am 14.11.1953 gefeiert. In mehreren Bauabschnitten konnte dieses „Village“ bis Mitte 1955 fertig gestellt werden. Zugehörig zu diesen beiden „housing areas“ der US-Armee ist die für Offiziere reservierte und 1956-57 ausgeführte St.-Barbara-Siedlung in Eberstadt westlich der Heidelberger Landstraße. Mit ihrer Fertigstellung endete 1957 zugleich die Beschlagnahme privaten Wohnraums durch die US-Armee in DA. Die drei genannten Siedlungen bilden nach amerikanischem Sprachgebrauch eine „community“ mit dem eingezäunten Sicherheitsbereich der Cambrai-Fritsch-Kaserne, wo auch die meisten ihrer Infrastruktureinrichtungen liegen (Banken, Post, Sportfeld, Gymnastikhalle, Bowlingbahn, Kino, Läden, Reisebüro, Wäscherei, Rotes Kreuz). Außerhalb der Kaserne, aber innerhalb der Jefferson-Siedlung finden sich noch eine Allgemein- und Zahnklinik, das Hotel Patriot Inn, der Rainbow Club und die Community Chapel. In das Lincoln Village integriert sind hingegen die zur „community“ gehörigen Schulen und sonstigen Jugendfördereinrichtungen (The Darmstadt Middle and Elementary School, Youth and School Age Services, Child Development Center). Da die in der Cambrai-Fritsch-Kaserne residierenden Einheiten nicht vom Teilrückzug der US-Streikräfte aus Europa betroffen sind – im Gegensatz zu jenen in den Kelley-Barracks bei der Heimstättensiedlung – unterzieht das US-Militär die Lincoln-Siedlung seit dem 16.11.1998 einer schrittweisen Komplettsanierung („Whole Neighborhood Revitalization Program“). Die Maßnahme vollzieht sich in Zusammenarbeit mit deutschen Stellen und soll bis 2010 abgeschlossen sein.
Bis zu den Terroranschlägen auf das World-Trade-Center in New York am 11.09.2001 war das Gelände der amerikanischen Wohnsiedlungen für Jedermann zugänglich, und nur der eigentliche militärische Kernbereich in der Cambrai-Fritsch-Kaserne unterlag einer geregelten Zugangsbeschränkung für deutsche Zivilisten. Aber auch was diesen Sektor anbetraf, verfolgte die US-Standortverwaltung bis in die frühen 1990er Jahre hinein eine Politik der zunehmenden Liberalisierung. Dies änderte sich allerdings nach dem 11.09.2001: nun wurden nicht nur die Kaserne, sondern auch die benachbarten Siedlungen hermetisch abgeriegelt, am 16.02.2002 mit der Einzäunung der Siedlungen begonnen. Für reichlich Konfliktstoff zwischen deutschen und amerikanischen Stellen sorgte der seit 1968 vorgesehene Bau der neuen B 3 (Karlsruher Straße) entlang der Lincoln-Siedlung zwischen Donnersbergring und dem 1968 bereits fertig gestellten Eberstädter Teilstück der Karlsruher Straße. Es dauerte zwölf Jahre, bis alle Bedenken und Einsprüche der US-Militärs gegen den Bau der Straße auf dem Verhandlungswege beseitigt waren und am 30.01.1980 mit dem Weiterbau der am 26.05.1981 eingeweihten Straße begonnen werden konnte. Die Fußgängerbrücke über die B 3 zwischen der Lincoln-Siedlung und dem Sport- und Freizeitgelände der Heimstättensiedlung erlangte im Januar 2000 traurige Berühmtheit, als dort Steinewerfer zwei Autofahrerinnen zu Tode brachten.