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Hagenburg, Otto Heinrich Graf
Foto: Automobilhist. Archiv W. Schollenberger, Ober-Ramstadt

Techniker, Rennfahrer, Flieger, Fabrikant
* 13.10.1901 Longeville bei Metz
† 21.12.1993 Altenmünster
Otto Heinrich Graf Hagenburg wurde als Sohn des Prinzen zu Schaumburg-Lippe und dessen Ehefrau Gräfin Anna von Hagenburg in Longeville bei Metz geboren. 1908 zog die Familie nach DA (Georg-Christoph-Lichtenberg-Haus), wo er auch das Gymnasium besuchte. Ab 12.04.1922 fungierte er neben Emil Zimmer als Vorstand der Fahrzeug Fabrik AG (FAFAG) Darmstadt. Er entwickelte auch die Technik der FAFAG-Wagen weiter und beteiligte sich an Automobilrennen. So nahm er mit einem FAFAG am 30.09.1923 beim „Kleinautorennen auf der AVUS“ in Berlin teil. Er fuhr der Konkurrenz auf und davon, fiel allerdings nach fünf Runden mit technischem Defekt aus. Trotz entgangenem Sieg machten ihn solche Husarenstücke bekannt. Nach Schließung der FAFAG im September 1924 gründete er eine Fahrschule, ab 1927 führte er die Niederlassung der Daimler-Benz AG in der Elisabethenstraße. Im Jahr 1929 weckte die Fliegerei sein Interesse und er erwarb den Flugschein. Als Mitglied der Hessen-Flieger ließ er sich zum Fluglehrer ausbilden. In dieser Funktion arbeitete Hagenburg in DA, Weimar und Dresden. 1936 gewann er den anlässlich der Olympiade in Berlin ausgeschriebenen „Internationalen Kunstflugwettbewerb“ und gehörte in dieser Flugdisziplin bis zum Zweiten Weltkrieg zur Weltspitze. Seit 1938 Testflieger bei der Erprobungsstelle Rechlin und ab 1939 bei den Arado-Flugzeugwerken in Brandenburg, leitete Hagenburg seit 1942 einen Zulieferbetrieb der Flugzeugindustrie in Sonthofen. Als Wirtschaftsführer des NS-Regimes wurde er bis 1947 in Augsburg/Göggingen interniert. 1948 gründete Hagenburg in Geretsried bei Wolfratshausen die „Hagenburg Fieberglas“ und begann 1950 mit der Herstellung von Produkten aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK). Die Palette reichte von Angelruten über Motorboote bis zu einem Klein-U-Boot, welches Anfang der 1960er Jahre als Volks-U-Boot für entsprechenden Pressewirbel sorgte. Die Motorboote wurden in den 1960er Jahren auch durch den Quelle-Versand vertrieben. 1971 verkaufte Hagenburg sein Unternehmen und konstruierte weiter technische Produkte. Bis zu seinem Tod riss die Bindung an DA nicht ab.

Lit.: Schollenberger, Werner: Die Fahrzeug Fabrik AG Darmstadt. In: 75 Jahre Röhr Auto AG, 2002, S. 14f.; Ders.: Fast vergessen – Autos aus Südhessen. In: Hupe – das regionale Automagazin, Darmstadt Februar 2011, S. 16f.