Stadtlexikon Darmstadt

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Haas, Alexander

Kaufmann
* 03.04.1906 Darmstadt
† 29.05.1980 Darmstadt
Alexander Haas wurde in eine jüdische Kaufmannsfamilie geboren, die seit 1815 in DA ansässig war. Wegen der Krankheit seines Vaters musste er frühzeitig das Realgymnasium verlassen und – nach einer kaufmännischen Ausbildung – das väterliche Möbelgeschäft übernehmen. Seine Neigungen galten eigentlich der Musik und der Literatur, er schrieb Novellen und Gedichte. Nach 1933 wurde das Geschäft boykottiert. Seine Frau Luise, eine Christin und Tochter des sozialdemokratischen Stadtverordneten Gottfried Baßler, weigerte sich, sich von ihm scheiden zu lassen, und führte das Geschäft bis zur Zerstörung durch die Nationalsozialisten im November 1938 weiter. Im Mai 1943 wurde Alexander Haas verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Er überlebte den Todesmarsch nach Flossenbürg und wurde im April 1945 in Oberfranken durch die US-Armee befreit. In DA fand er seinen Besitz durch den Bombenangriff vom 11.09.1944 (Brandnacht) vollends zerstört vor, aber seine Familie hatte überlebt. Seine Leidenschaft wurde das Sammeln von Büchern, die er in der Lagerhaft so sehr vermisst hatte. Für die politische Aufklärungsarbeit bei Jugendlichen und Lehrern begründete er eine Bibliothek, die er der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit überließ, deren Geschäftsführer er seit 1954 war. Nach seinem Tod wurde die Bibliothek nach ihm benannt (Alexander-Haas-Bibliothek). Seit Anfang der 1950er Jahre war er 2. Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde. Haas erinnerte an die jüdische Geschichte in DA (Juden in DA), und zwar sowohl an das friedliche Zusammenleben von Christen und Juden wie auch an Verfolgung und Zerstörung der Jüdischen Gemeinde nach 1933. Er erhielt die Bronzene Verdienstplakette der Stadt DA, das Bundesverdienstkreuz und die Ben-Gurion-Medaille in Gold des Staats Israel. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof in Bessungen. 2005 wurde für seine Mutter Henriette Haas in der Landgraf-Georg-Straße 7 ein Stolperstein (Mahnmale) verlegt.

Lit.: Albrecht Heinzerling: Alexander Haas. In: Eckhart G. Franz (Hrsg.): Juden als Darmstädter Bürger, Darmstadt 1984, S. 297-304; Thomas Lange: Alexander Haas – ein Lebensweg. In: Darmstädter Biografien – Begleitheft. (Internationale Wanderausstellung: Gedächtnisbuch für die Häftlinge des KZ Dachau: Namen statt Nummern), Darmstädter Geschichtswerkstatt e.V. (Hrsg.), Darmstadt 2013, S. 17-25; Alexander Haas und seine Bibliothek. In: Thomas Lange / Lothar Triebel (Hrsg.): „Geh nicht den alten Weg zurück!“ Festschrift zum sechzigjährigen Bestehen der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Darmstadt 1954-2014, unter Mitarbeit von Godehard Lehwark, Darmstadt 2014, S. 50-68.