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Grünewald, Ernst Friedrich

Grafiker, Dichter
* 01.03.1801 Darmstadt
† 26.11.1848 Darmstadt
Ernst Friedrich Grünewald ließ sich in Karlsruhe von J. K. Susemihl und K. L. Frommel zum Kupferstecher ausbilden und erwarb 1829 bei seiner Rückkehr nach DA den Titel eines „Hofkupferstechers“. Auf nachfolgenden Wanderjahren und Studienreisen weilte er längerfristig in London (1837) und Hamburg (1840). Danach verlegte er seinen Wohnsitz und sein Tätigkeitsfeld auf Dauer nach DA, wo er eine grafische Werkstätte gründete, die er seit 1841 gemeinsam mit dem Engländer William John Cooke jun. (1796-1865) betrieb. Cooke galt bei seinem Eintritt in Grünewalds Werkstatt bereits als namhafter Vertreter des für die zeitgenössische Buchpublikation wichtigen Stahlstichs. Unter den Mitarbeitern der Werkstatt Grünewald & Cooke fanden sich zahlreiche Mitglieder der seinerzeit in DA bestehenden englischen Kolonie.
Nach dem frühen Tod Grünewalds führte Cooke die Werkstatt in eigener Regie fort, zuletzt in der Bessunger Sandstraße unweit des Neuen Palais. Über nahezu zwei Jahrzehnte hat Grünewald eng mit dem Darmstädter Verlag Leske zusammengearbeitet. Dort erschien um 1830 auch sein noch heute populärstes Werk, die kolorierten „Ansichten von Darmstadt und seinen Umgebungen/Vues de Darmstadt et ses environs“, zu denen auch Ernst Gladbach, ein Neffe und Mitarbeiter Georg Mollers, einige Blätter beisteuerte. Die als Loseblattdruck herausgegebene Bildserie hat bis heute mehrere Wiederauflagen und Nachdrucke erfahren. Einen Beitrag zur frühen Reiseliteratur des 19. Jahrhunderts leistete Grünewald mit seinen Illustrationen zu A. L. Grimms „Die malerischen und romantischen Stellen der Bergstraße, des Odenwaldes und der Neckargegenden“ (DA, Leske, 1840). Während der Grafiker Grünewald in der historischen DA-Literatur allgegenwärtig ist, fiel der Dichter Grünewald – bereits 1827 erschien seine erste Werksammlung – rasch der Vergessenheit anheim, und seine überlieferten Werke finden allenfalls noch literaturhistorisches Interesse.

Lit.: Franz, Eckhart G. (Einführung): Die Bergstraße in der Fremdenverkehrs-Werbung des frühen 19. Jahrhunderts. Faksimile-Ausgabe der Stahlstich-Panoramen von Heinrich Rosenkranz und George Lambert 1831/1842/1848, Darmstadt 2002.