Stadtlexikon Darmstadt

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Letze

DA war – wie die meisten Städte – im Mittelalter in vier Bezirke eingeteilt, die man hier „Letze“ nannte. Diese Einteilung hing vermutlich mit dem Mauerbau im 14. Jahrhundert zusammen. Es handelte sich um Wehrbezirke, von denen jeder unter der Führung zweier Letzmeister für die Verteidigung eines Stadtmauerabschnitts zuständig war: Die Planletz um den Marktplatz herum, die Bessunger Letz im Süden, die Hundställer Letz im Osten und die Arheilger Letz im Norden östlich des Schlosses. Neben der Wehrbedeutung dienten die Letze auch als Erhebungsbezirke für die zu entrichtenden Steuern. Die Letzmeister übernahmen, neben den Zünften, auch die Vertretung der Bürgerinteressen gegenüber dem Stadtrat. Außerdem gehörte zu ihren Aufgaben, von Haus zu Haus zu gehen, um die Bürger zu Versammlungen zusammenzurufen. Als Verwaltungsbezirke bestanden die Letze weiter, als die Stadtmauer längst nicht mehr durch die Bürger verteidigt wurde. Spätestens ab 1703 hießen die früheren Letzmeister „Viertelmeister“. Ab diesem Jahr wurden sie nicht mehr jährlich, sondern auf Dauer bestellt, und übernahmen Wach- und Polizeiaufgaben in ihrem Quartier.

Lit.: Darmstadts Geschichte. Fürstenresidenz und Bürgerstadt im Wandel der Jahrhunderte, von Friedrich Battenberg, Jürgen Rainer Wolf, Eckhart G. Franz, Fritz Deppert. Gesamtredaktion: Eckhart G. Franz, Darmstadt 1980, 2. Aufl. 1984, S. 40f., 235; Walther, Philipp A.: Darmstadt, wie es war und wie es geworden ist. Neue Bearbeitung des „Darmstädter Antiquarius“, Darmstadt 1865, S. 124.