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Hüpsch, Jean Guillaume Adolphe Fiacre Baron von
Foto: Wolfgang Fuhrmannek, Copyright Hessisches Landesmuseum Darmstadt

(alias Honvlez)
Sammler
*
31.08.1730 Vielsalm/Ostbelgien
† 01.01.1805 Köln
Honvlez war der Sohn eines Gerichtsschreibers und Schöffen. Nach dem Besuch des Marianums in Aachen und ab 1749 des Dreikönigsgymnasiums in Köln studierte er in Bonn einige Semester Jura und Medizin, ohne jedoch einen Abschluss anzustreben. 1755 ließ er sich in Köln nieder und nahm in dieser Zeit Titel und Namen seiner Großmutter „von Hüpsch“ aus Lontzen bei Aachen an, was zumindest von seinen Zeitgenossen nicht beanstandet wurde. Seit 1768 bis zu seinem Tod bewohnte er den Lützeroder Hof in der Johannstraße in Köln. Hüpsch erhielt Einkünfte durch seine Familie, als Legationsrat des Fürsten von Nassau-Saarbrücken, als Vertreter geistlicher Herrschaften auf dem Kreistag in Köln und in Form von Ehrenpensionen. Am geistigen Leben der Aufklärung beteiligte er sich durch zahlreiche Veröffentlichungen zu Themen der Naturgeschichte, der Philologie und der Medizin. Die bedeutendsten sind: „Geophänomenologie“ 1764, „Naturgeschichte Niederdeutschlands“ 1781 und die „Epigrammatographie“ von 1801, eine Sammlung antiker Inschriften des Niederrheins, die noch heute als Quelle wertvoll ist. Seine Schriften trugen ihm zahlreiche Mitgliedschaften in wissenschaftlichen Akademien im In- und Ausland ein.

Hüpsch war von einer nahezu grotesken Sammelleidenschaft besessen. Im Bemühen, die in der Naturgeschichte gerade entstandenen Klassifizierungssysteme auf die Zeugnisse menschlichen Kulturschaffens zu übertragen, sammelte er alles Sammelbare: Kleidungsstücke, Waffen, Bücher, Kunst, Gegenstände des Alltags, Zeugnisse der Religion aller Zeiten und Völker und darüber hinaus Naturalia. Manches kaufte er davon, vieles erbettelte er oder erhielt es im Tausch, manches wurde von den Besitzern erschwindelt. Seine Einkünfte verwendete er vollständig für diese Sammlung, die als Kabinett des Baron von Hüpsch bald zu einer Attraktion für die ersten Rheintouristen wurde. Dabei waren neben der überquellenden Sammlung auch die skurrile Person des Barons selbst und die seiner Haushälterin Mechthild Happerz (1725-1805) Ziel der Neugierde. Höhepunkte der Sammlung waren aus heutiger Sicht an die 1.000 mittelalterliche Handschriften (darunter das Lochner-Gebetbuch und die Darmstädter Pessach-Haggadah), bedeutende altkölnische Gemälde (Stefan Lochners „Darbringung im Tempel“), 250 Barockgemälde, zahlreiche Elfenbeine und Emails des hohen Mittelalters aus dem kölnischen und belgischen Raum (darunter das Turmreliquiar, 6 Prachteinbände und 4 Tragaltäre), Glasgemälde und Textilien.

Hüpsch versuchte vergeblich, die Stadt Köln zur Einrichtung eines Museums für seine Sammlung zu bewegen. So setzte er in seinem Testament den Darmstädter Landgrafen Ludwig X. (Ludewig I.) als Erben ein, mit dem er zuvor in einem offenbar zufrieden stellenden geschäftlichen Kontakt war. Nach dem Tod des Barons ließ Ludwig X. die besten Stücke der Sammlung gegen einigen Widerstand der Stadt Köln verpacken und in 341 Kisten per Schiff nach Stockstadt und dann nach DA bringen, wo sie im August 1805 ankamen. Obgleich nur die Bücher in einer Liste erfasst wurden und das theoretische Konzept der Sammlung des Barons weder erkannt noch berücksichtigt wurde, bildet die Sammlung Hüpsch für nahezu alle Sammlungsbereiche des Hessischen Landesmuseums den Grundstock.

Lit: Schmidt, Adolf: Baron Hüpsch und sein Kabinett, Darmstadt 1906; Jülich, Theo: Jean Guillaume Adolphe Fiacre Honvlez – alias Baron von Hüpsch. In: Lust und Verlust – Kölner Sammler zwischen Trikolore und Preußenadler, Katalog, Köln 1995, S. 45-56.