Stadtlexikon Darmstadt

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Darmstädter Pessach-Haggadah

(Passah-Erzählung, Pergamenthandschrift, 1. Hälfte 15. Jahrhundert) Am Sederabend (Seder-Ordnung), im Gedenken an den Auszug der Israeliten aus Ägypten, wird vor dem gemeinsamen Mahl die Passah-Erzählung, eine Sammlung von Berichten, Bräuchen, Gebeten und Gesängen gelesen. Der Gläubige soll diesen Abend begehen, als befände er sich tatsächlich auf dem Weg in die Freiheit. Ein Gedanke endet mit dem gegenseitigen Wunsch sich „nächstes Jahr in Jerusalem“ zu begegnen. Zentrale Inhalte der Erzählung gehen bis auf das 3. Jahrhundert zurück, erst später erschienen illustrierte Ausgaben. Eines der wertvollsten Bücher dieser Art befindet sich in der Universitäts- und Landesbibliothek. Mit der Sammlung von Fiacre Honvlez, besser bekannt als Baron von Hüpsch, gelangte diese Pessach-Haggadah 1805 nach DA. Die um 1430 von dem Schreiber Israel ben Meir in Heidelberg verfasste Pergamenthandschrift ist reich bebildert, der Illustrator aber unbekannt. Unter anderem gibt es neben Abbildungen von Männern und Frauen, die über Bücher und deren Inhalte diskutieren, fantastische Tierdarstellungen und gar am Schluss von anderer Hand eine Hirschjagd und einen Jungbrunnen. Eine erste faksimilierte Ausgabe erschien mit Textbeiträgen des Rabbiners Bruno Italiener 1927/28 im Verlag Hiersemann in Leipzig.

Lit.: Broszinski, Hartmut: Ein Schatz, wird er mit Augen gesehen, Frankfurt 1995.