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Georg Landgraf von Hessen-Darmstadt

Vizekönig von Katalonien und Eroberer von Gibraltar
* 25.04.1669 Darmstadt
† 14.09.1705 vor Barcelona
Der zweite Sohn Landgraf Ludwigs VI. nutzte wie seine jüngeren Brüder die militärische „Konjunktur“ des ausgehenden 18. Jahrhunderts: Er kämpfte im Dienst des Kaisers in Ungarn und als Oberst eines von der Republik Venedig gemieteten hessischen Regiments auf dem Peloponnes gegen die Türken. Nach Einsätzen für König Wilhelm III. von England gegen die Jacobiten in Irland und unter dem badischen „Türken-Louis“ gegen die Franzosen ging er als kaiserlicher Feldmarschallleutnant nach Spanien, wo er im Kampf um Barcelona 1697 zum Vizekönig bestellt wurde. Aufgrund persönlicher Intrigen vorübergehend abberufen, gewann er mit geschickter Diplomatie die Unterstützung Englands, Portugals und der Granden Spaniens für die spanische Thronkandidatur seines habsburgischen Neffen Karl. Unterstützt von der britischen Flotte unter Admiral Rooke eroberte er im August 1704 mit einem englisch-holländischen Landungskorps die strategisch wichtige Festung Gibraltar, die er gegen eine überlegene französische Belagerungsarmee verteidigen und damit endgültig für England sichern konnte. In einem erneuten Feldzug gegen Barcelona fiel Georg bei der Erstürmung der Bergfeste Montjuïc. Das Herz des „Gibraltar-Schorsch“ hängt in einer Goldkapsel in der Fürstengruft der Darmstädter Stadtkirche.

Lit.: Neue Deutsche Biographie. Hrsg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Bd. 6, S. 217f.; Künzel, Heinrich: Das Leben und der Briefwechsel des Landgrafen Georg von Hessen-Darmstadt, des Eroberers und Verteidigers von Gibraltar, Friedberg 1859; Haus Hessen. Biografisches Lexikon, hrsg. von Eckhart G. Franz (Arbeiten der Hessischen Historischen Kommission, NF 34), Darmstadt 2012, HD 30, S. 297f.