Stadtlexikon Darmstadt

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Feuerwehr

Bedingt durch die Enge und leicht entflammbare Baumaterialien waren mittelalterliche Städte sehr stark brandgefährdet. In vielen Städten mussten die Bürger lederne Wassereimer bereithalten. Die gesamte Bürgerschaft bildete die Feuerwehr, denn es mussten im Brandfall Eimerketten gebildet werden. Die ersten Wasserspritzen, so genannte „Feuerspritzen“, wurden im 15. Jahrhundert in Nürnberg entwickelt, in DA wird die erste gegen Ende des 17. Jahrhunderts erwähnt. Die Bedienung oblag Schmieden und Schlossern, die viermal jährlich die Spritze zu überprüfen hatten. Leitern und Feuerhaken waren an verschiedenen Orten deponiert. Der Türmer der Stadtkirche läutete im Brandfall die Feuerglocke, um die Bürger zum Einsatz zu alarmieren. Den Helfern stand gesetzlich Wein und Brot zu. Die Hochfürstlich Hessen-Darmstädtische Feuerordnung von 1767 enthielt genaue Brandschutzbestimmungen und Anordnungen für den Ernstfall. Das im Kern mittelalterliche Feuerlöschwesen wurde erst 1845 durch eine Großherzogliche Verordnung abgelöst, die verfügte, dass zukünftig nur noch die teils freiwillige, teils bezahlte Lösch- und Rettungsmannschaft verwendet werden sollte, da die Bürger beim Retten oft großen Schaden anrichteten. Die am 11.07.1849 gegründete Turner-Feuerwehr unter Obmann Heinrich Felsing hielt am 15.07.1850 am Pädagog ihre erste öffentliche Spritzenprobe ab. 1883 trennte sich die Feuerwehr von der Turnergemeinde und wurde zum selbstständigen Verein.

Die Freiwillige Feuerwehr Eberstadt war 1876 gegründet worden, die Arheilger folgte 1881, die Wixhäuser 1884. Zu dieser Zeit war bereits eine Wasserleitung in Betrieb (Wasserversorgung), was die Anwendung von Hydranten ermöglichte. Zusätzlich zum Türmer auf dem Stadtkirchturm wurde 1883 eine ständige Nachtwache eingerichtet. Ab 1895 kam eine von der Stadt finanzierte Tagwache hinzu: ein Führer, vier Männer und zwei Fahrer. Vier Pferde standen stets aufgeschirrt vor der Wache Kirchstraße 9. 1897 wurde auf Stadtverordnetenbeschluss Ludwig Fischer zum Branddirektor gewählt. 1902 erfolgte die Erweiterung auf 14 Mann mit Mannschafts- und Gerätewagen, sowie einer 20 Meter Drehleiter für Pferdezug und der Umzug zum Stadtkirchplatz, Kirchstraße 13. Als besondere Verbesserung galt die Anschaffung einer Automobilspritze 1912 sowie einer Autopumpe und einer Autodrehleiter 1913. Die auf 16 Mann vergrößerte Hauptfeuerwache wurde am 16.08.1914 in ein ständiges städtisches Dienstverhältnis übernommen. Nach dem Tod von Branddirektor Fischer wurde Oberbaudirektor Karl Winter 1922 sein Nachfolger, der 1934 von Heinz Witzler abgelöst wurde. 1939 erfolgte die Umbenennung in Feuerschutzpolizei und die vorübergehende Kasernierung, 1940 übernahm Max Jost die Leitung.

Der Zerstörung der Hauptwache durch den Bombenangriff vom 11.09.1944 folgten diverse Provisorien, ab Ende 1945 belegte die Feuerwehr das Erdgeschoss der Bessunger Knabenschule. 1947 war die Feuerwehr wieder 50 Mann stark, doch erst im Juli 1954 konnte sie in die neu erbaute Feuerwache in der Bismarckstraße 86 einziehen. Karlheinz Kamieth wurde im August 1954 neuer Leiter. Im März 1977 erfolgte die Einweihung des neuen Direktionsgebäudes der Feuerwache, gleichzeitig wurde die Leitfunkstelle Hessen-Süd in Dienst gestellt, die für die gesamte Region Feuerwehr- und Rettungseinsätze koordinierte. Dem Brandschutzamt wurde 1994 das Amt für Katastrophenschutz angegliedert und im Oktober 1999 konnte eine neu gebaute Leitfunkstelle und Rettungszentrale eröffnet werden. Hier gehen alle Hilfeersuchen für Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz ein. Die Aufgaben der Feuerwehr sind nicht mehr nur die Bekämpfung von Bränden, sondern auch die Hilfe in Katastrophenfällen und der vorbeugende Brandschutz. Hier arbeiten Berufsfeuerwehr und Katastrophenschutz mit den Freiwilligen Feuerwehren in Darmstadt, Eberstadt, Wixhausen und Arheilgen zusammen; hinzukommen die Werksfeuerwehren Merck und Evonik-Röhm. Insgesamt stehen ca. 200 Feuerwehrleute der Freiwilligen Feuerwehr für Hilfseinsätze zur Verfügung. Für die rund 160 Mitarbeiter der Berufsfeuerwehr, davon ca. 110 Einsatzkräfte, errichtete die Stadt 2005 bis 2010 an der Bismarckstraße einen Neubau mit Kraftfahrzeughalle, Werkstätten und Unterrichtsräumen.