Stadtlexikon Darmstadt

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Festhallen
Städtischer Saalbau, 1873 eröffnet, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Bürgerliche Feste im DA des 18. und 19. Jahrhunderts wurden im Allgemeinen in den Sälen der größeren Gasthäuser gefeiert, z. B. in der Traube, im Darmstädter Hof und im Chausseehaus. In den Jahren nach 1870, als nach dem gewonnenen deutsch-französischen Krieg die Festkultur eine neue Blüte erlebte, Karnevalsveranstaltungen, Turn-, Musik- und Volksfeste viel größere Zuschauermassen anzogen als bisher, kam es in DA erstmals zur Errichtung von Zweckbauten nur für Festveranstaltungen. Schon seit etwa 1860 gab es ein Komitee zur Erbauung einer Festhalle. Nach mehrjährigen Planungen konnte die Stadt am 24.11.1873 mit einem Konzertabend ihre neue „Gute Stube“, den Saalbau (Ecke Riedesel- und Saalbaustraße, heute Stauffenbergstraße), eröffnen, der bis zu 1.300 Menschen fasste, und in dem am 17.02.1874 der erste öffentliche Maskenball in DA stattfand. Die seither jährlich wiederholte Veranstaltung wurde regelmäßig von Mitgliedern der großherzoglichen Familie besucht. 1878 folgte die Eröffnung des privat betriebenen Skating Ring, des späteren Orpheums. Für Großveranstaltungen wurde auf dem Exerzierplatz durch den Architekten Paul Mahr eine große Festhalle errichtet, die erstmals zum 21. Mittelrheinischen Musikfest 1893 zur Verfügung stand. Sie fasste 3.000-4.000 Zuschauer. Als die Halle baufällig geworden war, ersetzte man sie durch eine neue, von Stadtbaurat August Buxbaum errichtete Festhalle, die zum 33. Mittelrheinischen Turnfest (28.07.-07.08.1927) eröffnet werden konnte. Sie fasste bei Stellung von Tischen und Stühlen 4.320 Personen, bei reiner Bestuhlung fast 5.300 Menschen und war damit die größte jemals in DA errichtete Halle. Viele Sport-Großveranstaltungen fanden hier statt, z. B. mehrere vom SV Darmstadt 1898 veranstaltete Hallenhandballturniere, Turnfeste und Boxveranstaltungen. Im Nationalsozialismus diente die neue Festhalle häufig Großkundgebungen der NSDAP. Auch Adolf Hitler hat hier gesprochen. Festhalle, Saalbau und Orpheum fielen in der Brandnacht den Bomben zum Opfer und wurden nicht wieder aufgebaut. In der Nachkriegszeit hatte DA deshalb große Probleme mit der Bereitstellung von Räumlichkeiten für Großveranstaltungen und Kongresse, die letztlich erst mit dem 2007 fertig gestellten neuen Wissenschafts- und Kongresszentrum Darmstadtium gelöst werden konnten (Kongressgebäude).

Lit.: Engels, Peter / Franz, Eckhart G.: Kleine Darmstädter Festgeschichte. Vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert, Darmstadt 2000.