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Dolivo-Dobrowolsky, Michael
Foto: Stadtarchiv Darmstadt

(eig. Michail Osipowitsch)
Ingenieur
* 02.01.1862 Gatschina bei St. Petersburg
† 15.11.1919 Heidelberg
Michael Dolivo-Dobrowolsky, Sohn eines russischen Gutsbesitzers und Staatsrats und ältestes von neun Kindern, studierte nach dem Schulbesuch in Gatschina und Odessa, wohin der Vater 1872 versetzt worden war, 1878-1881 in Riga Chemie, wurde jedoch im Zusammenhang mit politischen Unruhen der Universität verwiesen und lebte danach in St. Petersburg, wo er an ersten elektrochemischen Versuchen arbeitete und vermutlich eine Batterie entwickelte, mit der man elektrische Türklingeln bedienen konnte. Im Herbst 1883 begann Dolivo-Dobrowolsky auf Empfehlung eines Petersbuger Dozenten in DA bei Erasmus Kittler ein Studium der Elektrotechnik. Vom Sommersemester 1885 bis zum Wintersemester 1886/87 war Dolivo-Dobrowolsky bereits Assistent von Kittler und hielt Vorlesungen über Elektrochemie. Im Frühjahr 1887 wechselte er nach Berlin zur Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft (AEG), wo er sich anfangs mit der Entwicklung von Akkumulatoren befasste und an der erstmaligen Herstellung von Aluminium beteiligt war. Bleibenden Ruhm sicherte er sich jedoch durch die Konstruktion des ersten funktionsfähigen Wechselstrommotors mit Dreiphasen-Wechselstrom im Jahr 1889. Er gab diesem Dreiphasenstromsystem den Namen „Drehstrom“. Dolivo-Dobrowolsky war auch entscheidend an der ersten Fernübertragung von Drehstrom von Lauffen am Neckar nach Frankfurt am Main beteiligt, bei der es im August 1891 gelang, die Leistung eines Elektromotors über fast 150 km per Hochspannungstransformation zu übertragen. Dolivo-Dobrowolsky blieb als Chefingenieur bis 1903 bei der AEG und entwickelte weiter verbesserte Drehstrommotoren, zog sich anschließend für einige Jahre in die Schweiz zurück, um sich ganz wissenschaftlichen Studien zu widmen, kehrte jedoch 1907 nach Berlin zur AEG zurück und wurde 1909 stellvertretendes Vorstandsmitglied und Direktor der Apparatefabrik. Im Frühjahr 1919 schied Dolivo-Dobrowolsky wegen eines Herzleidens aus der aktiven Tätigkeit bei der AEG aus und kehrte nach DA zurück, wo er bereits ein halbes Jahr später starb. Sein Ehrengrab befindet sich auf dem Waldfriedhof. Die TH Darmstadt hatte ihm 1911 den Ehrendoktortitel verliehen. 1969 wurde die Dolivostraße nach ihm benannt.

Lit.: Neidhöfer, Gerhard: Michael von Dolivo-Dobowolsky und der Drehstrom. Anfänge der modernen Antriebstechnik und Stromversorgung, Berlin/Offenbach 2004 (Geschichte der Elektrotechnik 19); Deutsche Biographische Enzyklopädie, hrsg. von Walter Killy und Rudolf Vierhaus, Bd. 2, S.686; Darmstädter Ehrengräber, Darmstadt 2016 (Darmstädter Schriften 105), S. 43-46.