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Bauer, Walter

Chemiker
* 12.02.1893 Arnstadt/Thüringen
† 31.10.1968 Darmstadt
Walter Bauer stammte aus einer Familie von Kaufleuten und Handwerkern. Nach dem Besuch des humanistischen Gymnasiums in Arnstadt studierte er von 1911 bis 1917 an den Universitäten in München und Jena Chemie und Physik. Noch im Jahr seines Abschlusses wurde er in Jena als Liebig-Stipendiat zum Doktor der Naturwissenschaften promoviert. 1918 stellte ihn Röhm & Haas (Evonik Industries AG) als Chemiker ein und übertrug ihm die Leitung des Forschungslabors zur Grundlagenerarbeitung der Acrylatchemie. 1938 wurde er zum Direktor ernannt. Zum Zeitpunkt seiner Einstellung befand sich die Erforschung der Acrylatchemie bei Röhm & Haas noch in den Anfängen. Das Tätigkeitsfeld von Bauer betraf sowohl die Synthese der monomeren Ausgangsprodukte, insbesondere des Acrylsäureesters, als auch die Erforschung hochmolekularer Polymerisationsprodukte. Die Entwicklung einiger wichtiger Anwendungen und bedeutender technischer Herstellungsverfahren unterlagen ebenfalls der Verantwortung Bauers. Die bemerkenswertesten Erfindungen und Entwicklungen, die er als Laborleiter zum Erfolg führte, betreffen die Synthese des Acrylsäuremethylesters über Äthylencyanhydrin, die Nutzung von Polymethacrylat (PMA) und Polymethylmethacrylat (PMMA) zur Herstellung von Sicherheitsglas, ein Element der Gießtechnik für PLEXIGLAS® Platten, das Herstellungsverfahren für PLEXIGLAS® Rohre durch Schleuderpolymerisation sowie die Einführung von Polymethacrylat in der Dentaltechnik und die Entwicklung von PLEXIDUR, einem besonders festen Werkstoff für die Orthopädie. Bis zu seinem Ausscheiden aus dem Unternehmen 1944 leistete Bauer einen sehr wesentlichen Beitrag beim Aufbau der Acrylatchemie, die im Zweiten Weltkrieg das bestimmende Geschäftsgebiet der Firma Röhm & Haas geworden war. In fast 70 in- und ausländischen Patenten wird er als Erfinder oder Miterfinder genannt. Durch die Verleihung der Dieselmedaille in Gold würdigte der Deutsche Erfinderverband 1962 die Leistungen Bauers, der seit 1945 als freier beratender Chemiker für die Industrie arbeitete, in der Grundlagenforschung der Kunststoffchemie.

Lit.: Ackermann, Katharina: Dr. Walter H. Bauer und seine 67 Deutschen Reichspatente. Leistungen und Erfahrungen eines deutschen Forschungschemikers, Jugenheim a.d. Bergstraße, 1967.