Stadtlexikon Darmstadt

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Blumenthal, Heinrich

Maschinenfabrikant
* 12.05.1824 Darmstadt
† 27.03.1901 Darmstadt
Der 1821 aus Bayern zugezogene Vater hatte mit Erwerb des Darmstädter Bürgerrechts ein Textilgeschäft am Ludwigsplatz eröffnet. Sohn Heinrich, bei der Bürgeraufnahme 1846 „Mechanicus“, nutzte die mit den neuen Bahnverbindungen gebotenen Möglichkeiten; aus der Werkstatt im elterlichen Haus wurde binnen weniger Jahre eine Maschinenfabrik, die sich vor allem auf landwirtschaftliches Gerät spezialisierte. Die in den 1860er Jahren in das Gelände zwischen heutiger Bismarck- und Landwehrstraße umgezogene Fabrik zählte noch zur Jahrhundertwende zu den größeren Industriebetrieben der Residenz (Maschinen und Apparatebau). Das Hauptinteresse des Unternehmers galt jedoch schon seit der Wahl zum Stadtverordneten 1871 der Stadtentwicklung. Der von seiner Terrain- und Baugesellschaft Blumenthal & Cie vorgelegte „Plan über die Erweiterung der Stadt Darmstadt nach der Nord-West-Seite“ wurde im November 1871 genehmigt. Bis 1874 waren im „Blumenthal’schen Viertel“ bereits an die 50 Häuser gebaut. Die Konjunkturkrise der 1880er Jahre wurde mit Einschaltung der Mainzer Bodenkreditbank gemeistert, sodass in relativ kurzer Zeit auch die verbliebenen Freiflächen im Norden des Quartiers bebaut waren. Der Name Blumenthal war entgegen der von OB Adolf Morneweg mit dem Nachruf auf den Kommerzienrat verbundenen Erwartungen bald vergessen. Das Viertel wurde zum „Johannesviertel“, und mit der „Arisierung“ von 1938 verschwand auch die Blumenthal-Straße, die heute Teil der Kasinostraße ist. 1982 wurde im Stadtteil Kranichstein eine neue Straße nach ihm benannt. Heinrich Blumenthal wurde auf dem Jüdischen Friedhof in DA beigesetzt, seit 2015 erinnert auf dem Johannesplatz eine Gedenktafel an ihn.

Lit.: Franz, Eckhart G.: Juden als Darmstädter Bürger, Darmstadt 1984, S. 235-239.