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Block Beuys im Hessischen Landesmuseum (HLMD)

Joseph Beuys (1921-1986) war einer der bedeutendsten deutschen Künstler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seit 1970 zunächst als Leihgabe, seit 1989 als Eigentum besitzt das Hessische Landesmuseum mit dem Block Beuys seinen weltweit größten Werkkomplex, der ein beeindruckendes Zeugnis seines plastischen und zeichnerischen Werks ablegt. In sieben Räumen befinden sich über 280 plastische Arbeiten von 1949 bis 1972 – darunter zahlreiche für das Kunstverständnis des Künstlers bedeutende Objekte und Installationen wie „Grauballemann“ (1952), „Jungfrau“ (1961), „Szene aus der Hirschjagd“ (1961), „Stuhl mit Fett“ (1963), „FOND II“ (1968), „FOND III“ (1969). Filzobjekte aus den Jahren 1964 bis 1967 dokumentieren die Bedeutung eines der Hauptmaterialien des Künstlers. 23 Vitrinen (darunter „Auschwitz-Demonstration“, 1956-1964) in vier Räumen bergen Objekte aus ehemaligen Aktionen und zahlreiche Multiples. Zeichnungen und Wasserfarbenblätter ergänzen diese Sammlung, deren Platzierung in den Räumen vom Künstler selbst vorgenommen wurde. Seit 1997 besitzt das HLMD zudem das umfangreiche Zeichnungskonvolut „Joseph Beuys verlängert im Auftrag von James Joyce den Ulysses um sechs weitere Kapitel“ (1958-1961). Das künstlerische Werk von Beuys ist geprägt durch seine Theorie der „Sozialen Plastik“, durch seine Erweiterung des traditionellen Kunstbegriffs: Abkehr von formal-ästhetischen Maßstäben und fest gefügten Gestaltungsprinzipien, Ausübung von Kunst als einem ganzheitlichen, alle kreativen Fähigkeiten des Menschen umfassenden Wahrnehmungs- und Erkenntnisprozess, der verändernd in die Gesellschaft eingreifen soll („Jeder Mensch ist ein Künstler“). Sein Ziel war, den einseitig materiell ausgerichteten, die Menschheit in ihrem Bewusstsein und in ihrem Handeln einschränkenden Wissenschaftsbegriff aufzubrechen, Logik mit Spiritualität in eine Einheit zu bringen. Mit seinen Materialien Filz und Fett, seinen Aktionen, in denen Energie in ihren unterschiedlichsten Formen eine zentrale Rolle spielt, und in der unermüdlichen Vermittlung seiner Vorstellungen, die auch in das Politische hineinwirken sollten, lebte Beuys in äußerster Konsequenz seinen eigenen Kunstbegriff.

Lit.: Beuys, Eva, Wenzel und Jessyka: Joseph Beuys. Block Beuys, München 1990; Adriani, Götz: Joseph Beuys, Köln 1994.