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Zimmermann, Wilhelm
Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Arzt, Revolutionär
* 14.09.1811 Darmstadt
† 03.03.1895 Darmstadt
Man nannte Wilhelm Zimmermann im Jux den „Höchstgeborenen“ DAs, da er als Sohn des Kirchendieners in der Turmstube der Stadtkirche geboren wurde. Er besuchte das Gymnasium und begann anschließend mit dem Medizinstudium in Gießen. Dieses musste er aus finanziellen Gründen mehrfach unterbrechen, was er zu praktischer Arbeit im Darmstädter Lazarett, später als preußischer Feldunterarzt in Mainz zu nutzen wusste. Nach der Promotion wurde Zimmermann als praktischer Arzt in DA und im Odenwälder Umland rasch populär.

In der Revolution 1848/49 organisierte er vom Darmstädter „Volksleseverein“ aus die demokratisch-republikanische Vereinsbewegung in Starkenburg, deren „bewaffneter Arm“ die so genannten „Schwarzen Schützen“ der Darmstädter Bürgerwehr wurden. Gemeinsam mit dem etwas jüngeren Theologen Karl Ohly (1825-1871), einem Bruder des nachmaligen Darmstädter Oberbürgermeisters Albrecht Ohly, und dem Arztkollegen Ferdinand Loehr aus Worms rief er auf einer Volksversammlung in Erbach am 23.05.1849 zur Unterstützung des badisch-pfälzischen Aufstands auf und zog an der Spitze eines schlecht bewaffneten Aufgebots von mehreren 1.000 Mann, darunter auch einer Reihe Darmstädter Handwerker, nach Ober-Laudenbach. Der unglückliche Tod des als Vermittler eingesetzten Regierungskommissars Christian Prinz führte zur blutigen Niederwerfung der Demonstration durch die großherzoglichen Regimenter. Die Anführer flüchteten mit dem Kern ihrer Truppe in die Schweiz. Da Zimmermann in Zürich nicht praktizieren durfte, wollte er nach Amerika auswandern, doch eine dankbare französische Patientin nahm ihn mit nach Valenciennes, wo er sich im ärztlichen Einsatz gegen die Cholera eine silberne Gedenkmünze Napoleons III. verdiente. Seine florierende orthopädische Heilanstalt in Paris musste Zimmermann bei Kriegsausbruch 1870 aufgeben, konnte aber mit der zwischenzeitlich erlassenen Amnestie eine ebenso erfolgreiche Anstalt im aufstrebenden Bad Homburg gründen. Ab 1879 lebte er im Ruhestand in der Eichbergstraße in Bessungen. Seit 1982 erinnert im Stadtteil Kranichstein der Zimmermannweg an ihn.

Lit.: Hessische Biographien. In Verbindung mit Karl Esselborn und Georg Lehnert hrsg. von Hermann Haupt, Darmstadt 1918-1934, Bd. 3, S. 241-245; vgl. auch Lange, Thomas: Vaterlandslos in zwei Nationen. Alexander Büchners Weg zwischen Deutschland und Frankreich. In: „Fortschritt der Menschheit in der Entwicklung des Menschen.“ Georg Büchners Geschwister in ihrem Jahrhundert, Darmstadt 2013, S. 443-446.