Stadtlexikon Darmstadt

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Privatpost
Briefmarken über 2 und 10 Pfennig der Hess’schen Privatpost Darmstadt, Foto: Werner Schäfer

(s. a. Post) Durch eine Gesetzeslücke im Postgesetz von 1871 unterlag die Beförderung von Briefen und Karten innerhalb einer Stadt nicht dem Postzwang. Dies führte auch in DA zur Gründung verschiedener Briefbeförderungsanstalten. 1886 wurde die „Briefbeförderungs-Anstalt“ Friedrich & Grosch in der Wendelstadtstraße 26 gegründet, aber nach kurzer Zeit wieder eingestellt. Gleiches galt für die „Privat-Zustellung von Briefen“ in DA und Bessungen, Gründer Carl Wolfgang Reckert, Herdwegstraße 1 in Bessungen. Auch er stellte seinen Betrieb bereits am 08.06.1888 wieder ein. Beide Firmen verausgabten keine Briefmarken bzw. Postkarten. Am 19.08.1895 gründete Jakob J. Zeller die „Darmstädter Privat-Brief-Beförderung“ später „Privat-Stadtbriefbeförderung Darmstadt“ in der Marktstraße 11 1/2. An insgesamt 46 Standorten befanden sich spezielle gelbe Briefkästen für die Briefe und Karten zur Beförderung innerhalb DAs. Die Beförderungsgebühren waren gegenüber der Reichspost weitaus günstiger. Zeller ließ zahlreiche eigene Briefmarken mit verschiedenen Werten, Karten mit bereits eingedrucktem Wert, Kartenbriefe, Postanweisungen und Postaufträge drucken. Bereits am 24.09.1895 bekam Zeller Konkurrenz durch die „Hess’sche Stadt-Brief-Beförderung“, Gründer war der Kaufmann Johann Christian Hess in der Schulstraße 11. Die Post war in hellgrüne Briefkästen einzulegen. Hess verausgabte zwei Briefmarken mit unterschiedlichen Wertangaben, vier Karten mit eingedruckten Werten und je eine Geldeinweisung sowie eine Einziehkarte. Nach heftigem Konkurrenzkampf musste Hess bereits am 22.02.1896 wieder schließen. Zeller führte die wirtschaftlich erfolgreiche Firma bis zur Gesetzesänderung durch die Deutsche Reichspost am 31.03.1900. Die Reichspost musste ihn mit einem Betrag von 47.000 Mark abfinden.