Stadtlexikon Darmstadt

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Hofmann, Karl (von)

Diplomat, Minister
* 04.11.1827 Darmstadt
† 09.05.1910 Berlin
Die Verfassungskämpfe von 1818/19, in denen sich der Hofgerichtsadvokat Heinrich Carl Hofmann (1795-1845) als Führer der „Schwarzen“ profiliert hatte, waren längst Geschichte, als Sohn Karl 1845, im Todesjahr des Vaters, stud. iur. in Gießen wurde. In der Revolution 1848/49 stützte der junge Hofmann als Mitarbeiter des „Darmstädter Journals“ die liberal-konstitutionelle Politik Heinrichs von Gagern. Trotz der „Eins“ im Staatsexamen folgten mehrere Wartejahre als Akzessist, bis er im Außenministerium unter Reinhard von Dalwigk unterkam. 1858 war er Ministerialsekretär I. Klasse. Als Legationsrat erstellte er 1861 ein umfängliches Promemoria zur Reform der Bundesverfassung. 1864 nahm er als Begleiter des sächsischen Bundesbevollmächtigten Friedrich Ferdinand von Beust an der Londoner Schleswig-Holstein-Konferenz teil. Während des Kriegs 1866 Platzhalter des mit dem Großherzog nach München geflüchteten Dalwigk im Darmstädter Ministerium, hatte Hofmann als hessischer Gesandter in Berlin in den Folgejahren maßgeblichen Anteil an der Regelung der Beziehungen zum neu begründeten Norddeutschen Bund, eine Aufgabe, die er als Ministerpräsident ab 1872 für die nun anstehende Eingliederung ins neue Deutsche Reich weiterführte. Die hier geknüpfte Arbeitsbeziehung zu Reichskanzler Otto von Bismarck führte 1876 zur Berufung als Staatssekretär ins Reichskanzleramt. 1879/80 kurzzeitig Staatssekretär im Reichsamt des Innern und preußischer Handelsminister, übernahm der als Vermittler bewährte Hofmann 1880 bis 1889 das nicht einfache Amt des Staatssekretärs für das „Reichsland“ Elsass-Lothringen in Straßburg, das ihm 1882 den Adelstitel eintrug. Zurück in Berlin, wurde er 1889 Präsident der Deutschen Kolonialgesellschaft.

Lit.: Zimmer, Frank: Karl von Hofmann und die Deutsche Frage, Bacharach 1992; Ders. (Hrsg.): Vom Norddeutschen Bund ins Deutsche Reich. Gesandtschaftsberichte und Briefe des hessischen Gesandten Karl Hofmann aus Berlin 1866-1972, Darmstadt 2001; Dvorak, Helge: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft, Bd. I: Politiker, Teil 2, Heidelberg 1999, S. 378f.