Stadtlexikon Darmstadt

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Engel, Ludwig
Ludwig Engel, Bleistiftzeichnung von Erich Colm-Bialla, 1962, Stadtarchiv Darmstadt

Rechtsanwalt, Oberbürgermeister
* 30.11.1906 Darmstadt
† 26.09.1975 Darmstadt
Ludwig Engel studierte Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten Heidelberg, München, Berlin und Frankfurt/Main. 1932 promovierte er zum Doktor der Rechte, wurde wissenschaftlicher Hilfsarbeiter bei der Hessischen Landes-Hypothekenbank (Landesbank) und war bei mehreren Rechtsanwälten in DA tätig. Aus der sich anschließenden Tätigkeit als Gerichtsassessor im hessischen Justizdienst wurde er am 19.10.1933 wegen politischer Unzuverlässigkeit fristlos entlassen. Anschließend war er gemeinsam mit Ludwig Metzger als Rechtsanwalt tätig. Im Januar 1943 wurde Engel zum Kriegsdienst einberufen und geriet im März 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Entlassung ließ er sich im August 1946 als Rechtsanwalt und Notar in DA nieder und wurde am 13.10.1948 zum Vizepräsidenten des Hessischen Staatsgerichtshofs gewählt. Im September 1949 erfolgte die Ernennung zum Senatspräsidenten beim hessischen Oberlandesgericht mit der Leitung der Zweigstelle DA. Am 08.01.1951 wählte die Stadtverordnetenversammlung den SPD-Politiker zum OB der Stadt DA, am 13.01.1951 trat er sein Amt an, das er nach zweimaliger Wiederwahl (1956 und 1968) bis zu seiner Ruhestandsversetzung am 13.01.1971 ausübte.

Mit der Wahrnehmung eines Landtagsmandats in der Zeit von 1958 bis 1960 und der Präsidentschaft der deutschen Sektion des Rats der Gemeinden Europas von 1956-1968 nahm er zwei weitere wichtige öffentliche Ämter wahr. Neben seinem engagierten Eintreten für die Wiedervereinigung Deutschlands liegen Engels wesentliche Verdienste in der Fortsetzung und dem Abschluss des unter Ludwig Metzger begonnenen Wiederaufbaus der Stadt mit unverwechselbarer wirtschaftlicher Prägung (Stichwort „Rauchlose Industrie“) sowie dem Aufbau einer demokratischen kommunalen Selbstverwaltung mit dem Ausbau der Bürger- und Verbändebeteiligung in allen wesentlichen Belangen der Stadtentwicklung. Mit der Einladung und Bindung überregional wirkender Institute an DA stärkte und sicherte er die Mittelpunktfunktion der Stadt in Südhessen.

Neben seiner Förderung einer weithin beachteten Kunst- und Theaterszene war er ein wichtiger Impulsgeber und Wegbereiter für eine Vereinigung der Völker, insbesondere in Europa. Die Städteverschwisterungen mit Troyes, Alkmaar, und Chesterfield, die sich starker bürgerschaftlicher Beteiligung erfreuten, waren wesentlich sein Werk. Engels Lebensleistung wurde neben dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland mit Schulterband und Stern, der Freiherr-vom-Stein-Plakette des Landes Hessen, der Europa-Plakette der Europa-Union, dem Komturband des Verdienstordens der Italienischen Republik, der Verleihung der Ehrenbürgerschaft der nordgriechischen Gemeinde Servia (1962) und mit der Übertragung des Ehrenbürgerrechts der Stadt DA (1971) gekrönt.