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Schulz, Wilhelm

Journalist, Schriftsteller
* 13.03.1797 Darmstadt
† 09.01.1860 Zürich
Der Sohn eines hessischen Beamten verließ das Darmstädter Gymnasium im Konflikt mit den Lehrern ohne Abitur, wurde 1811 Soldat und diente als Leutnant in den großherzoglichen Truppen, die erst mit Napoleon, seit 1814 gegen ihn kämpften. Er schloss sich den radikaldemokratischen Gießener „Schwarzen“ an und gehörte mit Heinrich Carl Hofmann, Theodor Reh und Christian Sartorius zu den Initiatoren der „Darmstädter Schwarzen“, die sich entscheidend an der Petitionsbewegung für eine hessische Verfassung beteiligten. Schulzes anonymes „Frag- und Antwortbüchlein über allerlei, was im deutschen Vaterland Not tut“ (1819) klärte aggressiv und satirisch über die politischen Verhältnisse auf, prangerte ebenso soziale Ungleichheit an wie das Fehlen demokratischer Mitbestimmung und forderte außerdem die Abschaffung der stehenden Heere. Darauf wurde Gardeleutnant Schulz aus der Armee entlassen. Er promovierte in Gießen zum Dr. jur., doch die Gerichtszulassung und damit der Anwaltsberuf wurden ihm verweigert. Als Übersetzer und politischer Journalist arbeitete er bei liberalen und oppositionellen Zeitschriften mit und nahm auch am Hambacher Fest teil. 1833 gab Schulz in Offenbach die Zeitschrift „Der deutsche Volksbote“ heraus, die nach 16 Nummern von der Zensur wegen einer durchsichtigen politischen Anspielung auf die revolutionäre Tradition des Bauernkriegs verboten wurde. Schulz lehnte Gewalt als Mittel der Gesellschaftsveränderung ab, so auch im 1833 erschienenen „Testament des deutschen Volksboten“, in dem er gleichwohl die Abschaffung der Monarchie forderte. Dafür 1834 zu fünf Jahren Haft verurteilt, gelang ihm am Jahresende mithilfe seiner Frau die abenteuerliche Flucht aus der Festung Babenhausen. Über Straßburg, wo er Georg Büchner kennen lernte, gelangte er nach Zürich, wurde vorübergehend Dozent an der Universität und befreundete sich mit Gottfried Keller. Seine Frau pflegte den todkranken Wohnungsnachbar Georg Büchner, auf den Schulz einen Nachruf schrieb. Nach dem Tod Friedrich Weidigs gab Schulz mehrere Schriften heraus, welche die Praxis der hessischen Justiz anprangerten. Neben seiner journalistischen Tätigkeit verfasste er ein grundlegendes ökonomisches Werk: „Die Bewegung der Produktion“ (1843), dem Karl Marx Anregungen entnahm. Im Mai 1848 wurde Schulz für den Wahlkreis DA in die Nationalversammlung gewählt und gehörte dort mit Theodor Reh als Anhänger der parlamentarischen Monarchie zur „Westendhall“. Nach dem Scheitern der Revolution 1848/49 kehrte Schulz nach Zürich zurück und setzte, in den letzten Jahren kränkelnd, seine publizistische Tätigkeit fort.

Lit.: Grab, Walter: Dr. Wilhelm Schulz aus Darmstadt. Weggefährte von Georg Büchner und Inspirator von Karl Marx. Frankfurt/Main, Olten, Wien 1987.