Stadtlexikon Darmstadt

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Reh, Theodor

Jurist, Politiker
* 04.11.1801 Darmstadt
† 31.03.1868 Darmstadt
Beamte, Offiziere und Pfarrer bevölkern die Ahnentafel der aus Oberhessen stammenden Familie Reh. Großvater Johann Ludwig Christoph Reh (1717-1787) war Generalmajor und Stadtkommandant von DA. Sein Enkel Theodor Reh, der jüngste Sohn des Hofgerichtsrats Justus Jacob Balthasar Reh (1753-1820), studierte wie der Vater Jura in Gießen, engagierte sich nach dem Vorbild der älteren Brüder in der Burschenschaft „Germania“, beschloss das mit Rücksicht auf den Tod des Vaters verkürzte Studium in Heidelberg und wurde 1822 Hofgerichtsadvokat in DA. Nach einigen Jahren politischer Abstinenz erscheint sein Name 1831/32 mit dem des Butzbacher Schwagers Friedrich Ludwig Weidig in den Sympathie-Aktionen für die Flüchtlinge des polnischen Aufstands wie unter den Teilnehmern der Wilhelmsbader Volksversammlung und der Pressvereinsberatungen in Frankfurt 1832. Im kurzlebigen Landtag 1834 zählte Reh zum linken Flügel der Opposition. Seit 1836 im Darmstädter Gemeinderat, betätigte er sich als Strafverteidiger für die politischen Freunde und war selbst kurzzeitig in Haft. Die vorrevolutionäre Neuwahl Ende 1847 brachte ihn in den Landtag zurück, wo er am 02.03.1848 den Antrag auf grundsätzlichen „Wechsel des […] mit den Wünschen und Forderungen des hessischen Volkes nicht in Einklang stehenden Regierungssystems“ stellte. Für Offenbach in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt, gehörte er in der Paulskirche zum linken Zentrum, schloss sich aber in der Verfassungsfrage der Gagern-Mehrheit an. Im Mai 1849 war er letzter Präsident der Versammlung. Maßgeblich beteiligt am „Gothaer Programm“ der Erbkaiserlichen, wurde Reh Ende 1849 Vorsitzender des in DA formierten „Reichswahlvereins“ und Abgeordneter im Volkshaus des Erfurter Reichstags. Die Arbeit im Landtag beendete er als auch vom Großherzog geachteter politischer „Veteran“ im Sommer 1855. Ein letztes Engagement galt der Liberalisierung der ev. Kirchenverfassung. Rehs Sohn Heinrich (1860-1946) gehörte später zu den führenden Demokraten im Hessischen Landtag, während Tochter Natalie Reh die Frau des zur Großfamilie zählenden SPD-Gründers Wilhelm Liebknecht wurde. Seit 1982 erinnert eine Straße im Stadtteil Kranichstein an Theodor Reh.

Lit.: Neue Deutsche Biographie. Hrsg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Bd. 21, S. 275f.; Scheinert, Wolfgang: Theodor Reh (1801-1868). Ein liberaler Politiker aus Darmstadt. In: Archiv für Hessische Geschichte und Altertumskunde, NF 40, 1982, S. 187-249; Dvorak, Helge: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Bd. I Politiker, Teilband 5: R–S. Heidelberg 2002, S. 190–191; Rack, Klaus-Dieter / Vielsmeier, Bernd (Hrsg.): Hessische Abgeordnete 1820-1933. Biografische Nachweise für die Erste und Zweite Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen 1820-1918 und den Landtag des Volksstaats Hessen 1919-1933, Darmstadt 2008, S. 719f.