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Psczolla, Heinz Waldemar
Foto: Roland Koch

Stadtjugendpfleger, Leiter der „Beschützenden Werkstätten“
* 13.02.1915 Wartenburg/Ostpreußen
09.08.1987 Lindenfels
Heinz Waldemar Psczolla besuchte bis 1931 das staatliche Kaiser-Wilhelm-Gymnasium in Osterode/Ostpr., danach die dortige Handels- und Berufsschule mit anschließendem Volontariat bei der Forstkasse Osterode. 1941 heiratete er seine Frau Hildegard geb. Bähr, 1942 kam der Sohn Dieter in Braunsberg/Ostpr. zur Welt. Im Zweiten Weltkrieg wurde Psczolla nach Norwegen eingezogen, Frau und Sohn flohen 1945 per Schiff von der Frischen Nehrung nach Flensburg. Heinz Psczolla geriet bei Hammerfest in britische Kriegsgefangenschaft und wurde am 24.08.1945 aus dieser entlassen. Nach der Umsiedlung nach Petersberg war er u.a. als Sachbearbeiter im Stadtbauamt Fulda beschäftigt und absolvierte eine Ausbildung zum Polizeianwärter bei der dortigen Stadtverwaltung. Aufgrund der Familienzusammenführung nahm sein Bruder Erich Psczolla, Pfarrer im Elisabethenstift in DA, in dieser Zeit Kontakt zu ihm auf.

Heinz Psczolla zog nach DA, arbeitete zunächst beim Bezirksjugendausschuss des Regierungspräsidiums DA als Sachbearbeiter und wechselte 1949 als Stadtjugendpfleger zur Stadtverwaltung. Bis 1970 widmete er sich vielen Projekten der Jugendarbeit, u.a. dem Jugendprogrammheft „Da mach‘ ich mit“, dem „Schulentlassungsheft“ und der Jugendzeitschrift „Reuse“. Er organisierte und betreute die „Kommunalpolitische Jugendwoche“, bei der sich interessierte junge Menschen vor Ort über soziale und andere Berufe informieren konnten. In den Ferien wurden auch Jugendsonderzüge der Bundesbahn u.a. nach Bayern und an die Nordsee organisiert. Es gab Jungendtanzabende im Haus der Tanzschule Stroh, Jugendseminare über Fotografie, später auch Schmalfilmkurse. Das Zustandekommen des Zeltlagers in Lindenfels und das hieraus 1958 entstandene „Albert-Schweitzer-Haus“ gingen auf Heinz Psczollas Initiative zurück. Hier wurden nun alljährlich Freizeit-Angebote für die Darmstädter Jugend, Schulklassen und Jugendgruppen durchgeführt.

Zusätzlich war Psczolla Berater für Filmfragen beim Hessischen Ministerium für Arbeit, Volkswohlfahrt und Gesundheitswesen, Mitglied im pädagogischen Beirat für Jugendsparen bei der Stadt- und Kreissparkasse, Einsatzstellenleiter im Studentischen Jugendarbeitsprogramm an der TH Darmstadt, Vorsitzender des Ortsverbands DA im Deutschen Jugendherbergswerk, Vorstandsmitglied im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und Leiter des Stadtfilmdienstes im Landesfilmdienst Hessen. Im September 1970 beendete Psczolla seine Tätigkeit als Stadtjugendpfleger und wurde Leiter der „Werkstätte für Behinderte“, einer bereits 1968 eingerichteten städtischen Einrichtung in der Heimstättensiedlung. Neben einem produktiven Arbeitsplatz wurden dort auch Freizeiten zur Abwechslung und Erholung, zum Teil mit Familienangehörigen, im Familienferienwerk Dorfweil im Taunus angeboten. 1979 wurde Heinz Psczolla in den Ruhestand versetzt.