Stadtlexikon Darmstadt

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Marienhöhe
Ehemalige Elizabeth-Duncan-Schule auf der Marienhöhe, 1994, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Die Marienhöhe nördlich von Eberstadt wurde nach Prinzessin Marie, Tochter Ludwigs II. und Zarin von Russland, benannt und wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts von Erbgroßherzog Ludwig (Ludwig III.) zu einem Landschaftspark umgestaltet. Die Marienhöhe, um die sich später der Verschönerungsverein (Stadtwerbung) kümmerte, war ebenso wie die benachbarte Ludwigshöhe ein beliebtes Ausflugsziel der Darmstädter. 1936 errichtete der Verkehrs- und Verschönerungsverein, dort einen Natursteinpavillon, der nach dem Architekten und langjährigen Vereinsmitglied Karl Schembs benannt war. Bereits 1904 hatten die beiden Schwestern und Tänzerinnen Elizabeth und Isadora Duncan in Berlin eine Schule für Tanz und Gymnastik gegründet. Sie verfolgten ein neues pädagogisches Konzept, das eine geistige und körperliche Ausbildung vereinte und neben der rhythmisch-gymnastischen Körperausbildung eine wissenschaftliche Erziehung umfasste. Schon bald nach ihrer Gründung suchten die Schwestern wegen Schwierigkeiten mit den Behörden eine neue Unterkunft. Großherzog Ernst Ludwig ließ sich für die neuen pädagogischen Ideen der Mädchenschule begeistern und stellte ihr deshalb ein Gelände an der Marienhöhe zur Verfügung. So konnte 1910/11 das Gebäude der Elizabeth-Duncan-Schule vom Mannheimer Architekten Rudolf Tillessen errichtet und die dazugehörige Gartenanlage von Franz Lebisch aus Wien gestaltet werden. 1924 ging die Duncan-Schule in den Besitz der ev. Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten (Religionen in DA) über, die hier ein Seminar für Prediger und Missionare und 1927 ein Gymnasium für Mädchen und Jungen eröffneten, das sechs Jahre später durch eine Realschule ergänzt wurde. 1939 musste die religiös ausgerichtete Schule auf Druck der Nationalsozialisten schließen. Die Gebäude wurden zwei Jahre später von der Luftwaffe zu einer Kaserne umfunktioniert. Deshalb war die Marienhöhe mehrfach Ziel von Luftangriffen. Nach Kriegsende war die ehemalige Duncan-Schule kurzzeitig Lager für verschleppte Zwangsarbeiter und konnte 1948 als Schule und Predigerseminar der Adventisten wieder eröffnet werden. Im Laufe der folgenden Jahre wandelte sich das Unterrichtsangebot mehrfach. Heute gibt es neben dem Gymnasium und der Realschule noch ein Kolleg und eine Grundschule. Am Eingang des gut erhaltenen alten Schulgebäudes ist ein Ziehbrunnen aus der Entstehungszeit vorhanden, der mit Fliesen von Jakob Julius Scharvogel geschmückt ist.

Lit.: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Hessen. Stadt Darmstadt. Hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen in Zusammenarbeit mit dem Magistrat der Stadt Darmstadt – Denkmalschutzbehörde – Braunschweig, Wiesbaden 1994, S. 649.