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Lesser-Kießling, Caroline Charlotte Anna

Journalistin, Schauspielerin, Pianistin
* 26.12.1843 Berlin
† nach 1902 Wien
Caroline Charlotte Anna Kießling trat bereits mit neun Jahren als Pianistin und Schauspielerin auf. 1861 heiratete sie den Schauspieler und Theaterdirektor Friedrich (Stanislaus) Lesser. Zwischen 1877 und 1883 lebte sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter in DA. Sie gründete hier den Frauenverein Sonntagsruhe, den ersten Zweigverein des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins. Der Verein betreute und unterrichtete Kinder, v. a. Mädchen aus Arbeiterfamilien während der Abwesenheit ihrer Eltern. Lesser-Kießling richtete auch eine „Fliegende Ferienkolonie für arme Schulmädchen“ ein und trat für eine gemeinsame Ausbildung beider Geschlechter auf allen Unterrichtsstufen ein. Seit den 1880er Jahren hielt Lesser-Kießling Vorträge über Sittlichkeitsfragen. 1882 wurde sie zusammen mit der Frauenrechtlerin und Sozialistin Gertrud Guillaume-Schack in DA wegen eines Vortrags über staatliche Willkür gegen Prostituierte angeklagt, da der Vortrag vor einem „gemischten“ Publikum stattfand. Lesser-Kießling wies in dem Prozess alle Vorwürfe zurück und protestierte gegen die Durchsuchung ihres Hauses durch die Polizei in ihrer Abwesenheit. Der Prozess, der mit einem Freispruch für beide Frauen endete, erregte großes Aufsehen in Deutschland.

Lit.: Pataky, Sophie: Lexikon deutscher Frauen der Feder, Berlin 1898, I, S. 406; Gebhardt, Hartwig / Wischermann, Ulla (Hrsg.): Die Staatsbürgerin, München u. a. 1988.