Stadtlexikon Darmstadt

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Langes Bäuche
Foto: Stadtarchiv Darmstadt

(Friedensplatz 10) Das lang gestreckte barocke Gebäude am Friedensplatz ist einer der wenigen baulichen Überreste der ab 1695 angelegten Neuen Vorstadt (Mollerstadt). Es wurde gegen 1730 als Leibstall für die Pferde Landgraf Ernst Ludwigs gebaut, vermutlich von Erich Philipp Ploennies. Ab 1820 wurde das Gebäude von der Diligence-Expidition (Eilpost) genutzt, deren Wagen zweimal die Woche zwischen Darmstadt und Frankfurt/Main verkehrten. Auch die Briefpost, die durch Reiter befördert wurde, hatte hier ihre Annahmestelle (Post). Nach der Verlegung der Poststelle wurden die frei werdenden Räume für Versammlungen, Vorträge und juristische Prüfungen genutzt und eine Nähstube des Roten Kreuzes eingerichtet. Ende des 19. Jahrhunderts überließ man das Lange Bäuche Gustav Lorenz für seine Versuche zur Seuchenbekämpfung bei Tieren und Menschen. Als das Gelände des Großherzoglichen Hof-Waschhauses in der Schlossgartenstraße 4 für die TH Darmstadt benötigt wurde, brachte man die Wäscherei im Langen Bäuche unter. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude zerstört und 1959/60 unter Verwendung einiger originaler Werkstücke neu aufgebaut. Nach der Fertigstellung wurde das Gebäude von der Großherzoglichen Vermögensverwaltung genutzt. 2008 bis 2018 hatte dort das Institut für Neue Technische Form (INTEF) seinen Sitz.

Lit.: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Hessen. Stadt Darmstadt. Hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen in Zusammenarbeit mit dem Magistrat der Stadt Darmstadt – Denkmalschutzbehörde – Braunschweig, Wiesbaden 1994, S. 87.