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Deutsch-Amerikanische Gesellschaft

Innerhalb der amerikanischen Kulturpolitik und der Reeducation-Bestrebungen im Deutschland der Nachkriegszeit nahmen die Amerikahäuser (John-F.-Kennedy-Haus) eine besondere Stellung ein. Sie dienten der Selbstdarstellung der USA, ihrer Kultur, Politik, Geschichte und Tradition. Den Mittelpunkt der Häuser bildete eine Bibliothek, deren Bücherbestand sich im Wesentlichen aus Sammelaktionen privater Vereinigungen in den USA zusammensetzte. Die erste amerikanische Bibliothek wurde am 04.07.1945 in Bad Homburg eröffnet. Das bei den Deutschen sehr beliebte Angebot der Amerikahäuser zeichnete sich durch ein immer breiter werdendes Veranstaltungsprogramm mit Kunstausstellungen, Vorträgen, musikalischen Abenden, Konzerten, Filmvorführungen, Diskussionsgruppen und Kursen aus.

In DA wurde die seit Herbst 1946 bestehende amerikanische Bibliothek am 06.01.1947 als „Amerikahaus“ feierlich eingeweiht. 1955 wurde es in das erste binationale Institut in Europa umgewandelt und nahm als Deutsch-Amerikanisches Institut am 21.09.1955 seine Arbeit wieder auf. Zehn Jahre später, am 25.11.1965, erhielt es zur Erinnerung an den beliebten amerikanischen Präsidenten den Namen John-F.-Kennedy-Haus. Die Angebote des Kennedy-Hauses wurden organisiert von der Deutsch-Amerikanischen-Gesellschaft, die während der Anfänge der amerikanischen Bibliothek entstanden war. Auch als die amerikanische Verwaltung Mitte der 1960er Jahre ihr Institut in DA. aufgeben wollte, konnte die Gesellschaft ihre Arbeit weiterführen, da die Stadt DA, das Land Hessen und das Auswärtige Amt einsprangen und sich die Finanzierung teilten. 1997 strich das Land Hessen seine Zuschüsse für die Deutsch-Amerikanische Gesellschaft, die Stadt DA sah sich nicht mehr in der Lage, die Verluste aufzufangen; die Gesellschaft wurde zum Jahresende 1997 aufgelöst und die Bibliothek mit über 17.000 Werken aufgegeben. Das Kennedy-Haus ist aber unter dem Namen Haus der Literatur (Literaturhaus) seinen kulturellen Aufgaben treu geblieben.

Ebenfalls der deutsch-amerikanischen Freundschaft fühlte sich der Deutsch-Amerikanische Club verpflichtet. Seine Anfänge im Jahr 1955 waren bescheiden. Eine Gruppe von elf befreundeten amerikanischen und deutschen Frauen kam auf die Idee, regelmäßig Ausflüge und Treffen zu organisieren um so eine bessere Verständigung zwischen Menschen zu erreichen, die noch deutlich unter dem Einfluss des Kriegs standen. Im Laufe der Zeit wurde der Club, der bis zum Abzug der Amerikaner die Deutsch-Amerikanische Freundschaftswoche organisierte, eine Institution in DA. Mit dem Wegzug der amerikanischen Streitkräfte aus der Darmstädter Garnison kam die Arbeit des Deutsch-Amerikanischen-Clubs zum Erliegen, er besteht heute nicht mehr.

Lit.: Gerberding, Elke: Kultureller Wiederaufbau. Darmstädter Kulturpolitik in der Nachkriegszeit 1945-1949, Darmstadt 1996 (Darmstädter Schriften 69); American Darmstadt. Von der Befreiung bis zur Konversion. Die U.S. Army in Darmstadt, Edition Darmstadt 112, Darmstadt 2015.