Stadtlexikon Darmstadt

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Buffalo Bill, d. i. William Frederik Cody
Auftritt von Buffalo Bill und seiner Cowboy- und Indianertruppe in Darmstadt an der Pallaswiesenstraße, 1891, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Kundschafter, Jäger, Showman
* 06.02.1846 Le Claire/Iowa
† 10.01.1916 Denver/Colorado
Buffalo Bill war bereits als 15-jähriger Postreiter beim legendären Ponyexpress, arbeitete dann als Kundschafter und Meldereiter der US Army im Indianergebiet, zuletzt als „Chief of the Scouts“. Seinen Beinamen erwarb er sich als Fleischbeschaffer beim Bau der Kansas Pacific Eisenbahn, wo er in nur zwei Jahren 4.280 Bisons tötete. 1882 organisierte Bill in North Platte / Nebraska das „Old Glory Blowout“, eine Feier zum 4. Juli (dem Gründungstag der Vereinigten Staaten); hier kamen zum ersten Mal unter seiner Regie alle Show-Elemente und die Dramaturgie zum Einsatz, die „Buffalo Bill’s Wild West. The National Entertainment“ weltberühmt und den „Wilden Westen“ zum festen Begriff und zum Topos machen sollte. Nach einigen Saisons in Amerika (bei denen 1885/86 auch Häuptling Sitting Bull auftrat) kam Bill 1889 mit seiner großen Wild-West-Show zur Weltausstellung nach Paris. Es schloss sich eine Zwei-Jahres-Tournee an, die ihn durch Frankreich, Spanien, Italien und nach Deutschland führte, wo man, unterbrochen von einer Winterpause im Elsass, in 24 Städten auftrat. Geboten wurden sensationelle farbenprächtige Szenen aus dem Frontierleben, wie ein Überfall auf die berühmte Deadwood-Postkutsche, Büffeljagden, Indianerangriffe, Rodeoreiten und verschiedene Kunstschützendarbietungen, u. a. Annie Oakley („Annie get your Gun“). So wie das Publikum von der Show, so war das deutsche Militär von der Logistik fasziniert, mit der das Unternehmen per Eisenbahnsonderzug transportiert und praktisch über Nacht verlegt wurde: Rund 200 Personen (100 Indianer und 100 Weiße) mitsamt ihrer Ausrüstung an Zelten, Waffen, Sätteln, Fahnen usw., Munitions- und Küchenwagen, 170 Pferden, 6 Mauleseln, 18 Büffeln, 1 Stier und Tonnen von Bauholz und Leinwand, mit der die Tribünen um die 300 x 250 Meter große Arena errichtet werden konnten. Beispiellos und bis dato in Deutschland völlig unbekannt war auch die Wucht der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, bei der die Gastspielstädte und Umgebung mit schreiend bunten Plakaten förmlich zugekleistert wurden. Vom 01.-03.05.1891 gastierte „Buffalo Bill’s Wild West“ in DA auf einem Gelände an der Pallaswiesenstraße / Ecke Frankfurter Straße. Um das auswärtige Publikum – allein bei den beiden letzten der sechs in DA durchgeführten Vorstellungen wurden 15.000 Besucher gezählt – in die Stadt zu schaffen, wurden Sonderzüge eingesetzt. Das Urteil über die Show war einhellig positiv; nicht nur die Kinder, die seither bevorzugt „Indianer und Cowboy“ spielten, waren begeistert.

Lit.: Poignant, Roslyn: Professional Savages: Captive Lives and Western Spectacle, New Haven – London 2004.