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Best, Werner

Jurist, SS-Führer
* 10.07.1903 DA-Bessungen
† 23.06.1989 Mülheim/Ruhr
Als Sohn eines Postinspektors eher zufällig in DA geboren, kam Werner Best nach Kinderjahren in Liegnitz und Dortmund nach dem Kriegstod des Vaters 1914 mit Mutter und Bruder in die rheinhessische Familienheimat zurück. Prägend waren die letzten Gymnasialjahre im seit Ende 1918 französisch besetzten Mainz. Als Jurastudent in Frankfurt/Main seit 1921 Mitglied des völkischen „Hochschulrings“, wurde Best rasch Mitglied des „Führerrats“ und Leiter der kämpferischen „Rheinlandarbeit“. 1924 zweimal inhaftiert, gründete er 1925 mit anderen „Bünden“ einen „Nationalblock in Hessen“. Erst 1930, nach Promotion und verschiedenen Stationen an hessischen Amtsgerichten wohlbestallter Amtsrichter in Gernsheim (mit Wohnsitz DA), trat er der NSDAP bei und wurde alsbald Leiter der Rechtsabteilung der Darmstädter Gauleitung. Seit 1931 saß er im Landtag. Nach Bekanntwerden der von ihm verfassten „Boxheimer Dokumente“ über die auf dem Boxheimer Hof bei Lampertheim beratene NS-Umsturzplanung suspendierte man Best vom Staatsdienst; die Untersuchung am Reichsgericht wurde jedoch 1932 eingestellt. Mit der „Machtergreifung“ im März 1933 wurde der SS-Führer Best „Staatskommissar für das Polizeiwesen in Hessen“. Noch im Juli zum „Landespolizeipräsidenten“ ernannt, führte der Widerstand gegen Reichsstatthalter Jakob Sprenger bereits im September zur Entlassung. Von Reinhard Heydrich mit dem Neuaufbau des SS-Geheimdiensts SD betraut, hatte Best dann maßgeblichen Anteil an der Mordaktion gegen den so genannten „Röhm-Putsch“ 1934. Nach einem Zerwürfnis mit Heydrich wechselte der SS-Obergruppenführer 1940 in die Militärverwaltung in Paris und wurde Ende 1942 Reichsbevollmächtigter in Dänemark. Nach dem Krieg inhaftiert, wurde er nach Revision des 1948 in Kopenhagen verhängten Todesurteils 1951 entlassen. Das deutsche Entnazifizierungsverfahren endete 1958 mit einer eher symbolischen Geldstrafe. Zeitweilig Justitiar bei der Firma Stinnes, war Best ab 1969 im Zuge des 1972 eingestellten Einsatzgruppen-Verfahrens noch einmal in Haft und lebte dann „im Ruhestand“ in Mülheim.

Lit.: Herbert, Ulrich: Best. Biographie. Studien über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft 1903-1989, Bonn 1996; Rack, Klaus-Dieter / Vielsmeier, Bernd (Hrsg.): Hessische Abgeordnete 1820-1933. Biografische Nachweise für die Erste und Zweite Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen 1820-1918 und den Landtag des Volksstaats Hessen 1919-1933, Darmstadt 2008, S. 160; Lidegaard, Bo: Die Ausnahme, München 2013.