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Auswanderung

Die Hoffnung auf ein besseres Leben mit einem besseren Auskommen und einem Mehr an persönlicher Freiheit war und ist der Hauptbeweggrund, sich zur Auswanderung zu entschließen. Waren im 18. Jahrhundert die Hauptziele der auswanderungswilligen Hessen-Darmstädter noch die Gebiete der Donaumonarchie in Russland (Darmstadt Ukraine/Russland) gewesen, nahm im 19. Jahrhundert Amerika als Einwanderungsland den ersten Platz ein. Das Versprechen der englischen Königin Anna 1709, jedem Auswanderer freie Überfahrt und eine großzügige Landzuteilung zu gewähren, hatte die ersten Hessen nach Pennsylvanien gezogen, unter ihnen die aus dem Odenwald stammenden Vorfahren des ehemaligen Präsidenten Dwight D. Eisenhower. Die große Auswanderungswelle aus Hessen-Darmstadt nach Nordamerika setzte erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein. Grund waren die durch Missernten hervorgerufenen Hungerjahre 1816/17 und 1829/30. Auch die hohen Zahlen der Auswanderer in den Jahren 1845 (1.470) und 1846 (über 6.000) waren Symptome der Wirtschaftskrise. Ein weiterer Grund war die Unzufriedenheit mit dem politischen System, die in den Revolutionen von 1830 und 1848 zum Ausdruck kam. Massenauswanderungen ganzer Dörfer kamen ebenso vor wie der Versuch, durch die Massenabschiebung unbemittelter Einwohner die Gemeindekassen zu entlasten: 1846 entledigte sich Groß-Zimmern so 615 armer Einwohner, im gleichen Jahr folgte Dieburg mit 111 Personen. 56 hessische Gemeinden lösten auf diese Weise ihre sozialen Probleme. Die Hauptmasse der Auswanderer kam vom Land.

Die Residenz DA selbst verließen nur wenige Menschen. Immerhin schob man im Herbst 1848 in die USA 89 Personen ab. Mit viel Idealismus zog 1847 die Gruppe der „Darmstädter Vierziger“ nach Texas. Dies waren 36 junge Männer aus führenden Beamtenfamilien des Großherzogtums, deren erklärtes Ziel es war, eine Art sozialistische Gemeinschaft in Gemeinbesitz zu gründen, ein Unternehmen, das nach einem knappen Jahr scheiterte, und sich mit „liberty“ und „freedom“ kaum vereinbaren ließ. Das Schicksal der meisten Auswanderer ist unbekannt, aber immer wieder haben Erfolgsgeschichten von Darmstädtern die alte Heimat erreicht. So machte Heinrich Klinkert, der gegen 1820 nach Amerika ging, nach Schuhputzer- und Tellerwäscherjahren sein Glück und Vermögen als Fabrikant von Zylinderhüten in New York. Wolfgang Niebergall und Hans Vetter aus DA wurden in den 1860er Jahren durch die Goldsuche zu Millionären und danach als Plantagenbesitzer und Gründer eines bis 1914 bestehenden Bankhauses sesshaft. Wilhelm Scharnow, der um 1825 nach Amerika auswanderte, eröffnete mit einem Lotteriegewinn ein Geschäft für deutsche Waren und wurde später Inhaber des ersten großen deutschen Warenhauses in Amerika. Von der Auswanderung aus Hessen-Darmstadt zeugen bis heute in den USA die Orte Darmstadt, Illinois und Darmstadt, Indiana.