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Advokatenplanung

Im Sanierungsgebiet Martinsviertel waren zwischen 1974 und 1987 mehrere Advokatenplaner, auch Planeradvokaten genannt, in städtischem Auftrag tätig. Ihre Aufgabe bestand in der Beratung der Anwohner und in der Förderung einer Bürgerbeteiligung bei der Sanierungsplanung. Sie sollten neutrale Vermittler zwischen städtischen und lokalen Interessen sein. Die Planung einer innerstädtischen Schnellstraße, genannt Osttangente, und weit reichende Umstrukturierungspläne führten im Martinsviertel Anfang der 1970er Jahre zu großer Verunsicherung der Bürger. Bei der Kommunalwahl 1972 erreichte die SPD die absolute Mehrheit und griff den Advokatenplanungs-Vorschlag aus dem Martinsviertel und dem Institut Wohnen und Umwelt positiv auf. Der damalige OB Heinz Winfried Sabais scheute nicht den Interessenkonflikt zwischen Bürger und Verwaltung, der durch die vorgesehene verwaltungsunabhängige Stellung der Advokatenplaner entstehen konnte. Konflikte waren absehbar, doch hielt man die Bürgerbeteiligung bei den Planungen für wichtiger. Die Bezahlung der Advokaten erfolgte über Sanierungsmittel des Bundes. 1974 bis 1978 bestand das Modell seine Bewährungsprobe mit den beiden Advokaten Rolf Baumgarten und Falk Schien. Durch die neue CDU/FDP-Mehrheit im Stadtparlament trat Ende 1978 eine Unterbrechung ein. Nur noch eine Planstelle, die nicht mehr unabhängig, sondern der Bauverwaltung unterstellt wurde, war für das gesamte Stadtgebiet zuständig, insbesondere für Neu-Kranichstein. Die Stelle wurde nie besetzt. Bei der Kommunalwahl 1981 verhalf die Wählergemeinschaft (WGD) der SPD zur Mehrheit. Im Koalitionspapier wurde die Wiederaufnahme der Planeradvokatur festgeschrieben und bis Mai 1983 der Raumplaner Jürgen Wolf und der Sozialarbeiter Frank Cornelius angestellt. Nach arbeitsrechtlichen Streitigkeiten 1985 zwischen Wolf und OB Günther Metzger beschloss die Parlamentsmehrheit von SPD und CDU im November 1987 die Auflösung der Advokatur zum Jahresende. Mängel an der Planung für Kranichstein führten auch dort über eine Interessengemeinschaft zur Schaffung zweier Advokatenplanerstellen für 1972 und 1973.