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Deutscher Adressbuch-Verlag

Der Deutsche Adressbuch-Verlag hat seine Wurzeln in Berlin. Erst nach Kriegsende siedelte er unter der Leitung von Erwin Jaeger (1897-1967) nach DA über. 1930 hatte Jaeger die Geschäftsführung des Unternehmens übernommen, das 1932 seinen heutigen Namen bekam. Seit Dezember 1948 war der Deutsche Adressbuch-Verlag in der Holzhofallee 38 ansässig. Hier entwickelte sich das Unternehmen kontinuierlich und war weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt. Es wurden vor allem Wirtschaftsadressbücher verlegt, wie das „Einkaufs-Einmaleins der Deutschen Industrie“, das „Deutsche Branchen-Fernsprechbuch“ und das „Deutsche Telegramm-Adressbuch“. Der Deutsche Adressbuch-Verlag ging mit der Zeit: 1960 wurde eine erste Lochkartenanlage eingeführt und ab 1973 eine Datenbank aufgebaut, mit deren Hilfe es möglich war, Informationen über 500.000 Firmen in der Bundesrepublik und im Ausland auf Knopfdruck abzurufen. 2003 zog der Verlag, der zu diesem Zeitpunkt schon seit längerem in anderen Händen lag, nach Hamburg um. Heute gibt er unter anderem die Gelben Seiten Business Deutschland heraus.

Erwin Jaegers Freund und Kompagnon, Hans Waldmann, der mit ihm im Deutschen Adressbuch-Verlag zusammenarbeitete, brachte 1952 die erste Ausgabe des Internationalen Fernschreibverzeichnisses heraus. Der Fernschreibverkehr erlangte als Mittel der Kommunikation damals eine große Bedeutung. 1953 gründeten Jaeger und Waldmann den Telex-Verlag Jaeger & Waldmann oHG, der ebenfalls in der Holzhofallee 38 ansässig war. Er widmete sich von Anfang an völlig dem Fernschreibverkehr. Von einem dünnen 240-seitigen Band mit dem Titel „Internationales Fernschreib-Verzeichnis“ wuchs das Werk in den folgenden 25 Jahren auf ein fünf Bände umfassendes Nachschlagewerk von über 10.000 Seiten an, das seit 1968 den Titel „Jaeger†Waldmann World Telex“ trug. Die Zahl der Telexteilnehmer hatte seit der Gründung des Verlags um das Hundertfache von 7.500 auf 800.000 zugenommen. Nach dem Tod der Seniorenchefs, die für ihr Lebenswerk zahlreiche Ehrungen erhielten (Erwin Jaeger 1963 das Bundesverdienstkreuz und Hans Waldmann 1964 die Johann-Heinrich-Merck-Ehrung), führten die Söhne Horst E. Jaeger (1924-1991) und Heinz Waldmann (1922-1991) das Unternehmen erfolgreich weiter. Der Betrieb wurde mit modernster Computertechnik und Lichtsatzanlagen ausgestattet und entwickelte sich zu einem der führenden und leistungsfähigsten Adressbuchverlage. Zum Jahreswechsel 1982/83 übertrugen Horst Jaeger und Heinz Waldmann ihre Geschäftsanteile an vier neue Gesellschafter. Zu diesem Zeitpunkt war der Telex-Verlag mit seinen ca. 140 Mitarbeitern weltweit konkurrenzlos. Die 1,3 Millionen Eintragungen des weltweiten Telexnetzes wurden mit Hilfe elektronischer Datenverarbeitung auf dem neuesten Stand gehalten, Interessenten konnten sich die gewünschten Auskünfte per Computer direkt übermitteln lassen oder das Verzeichnis auf Magnetband beziehen. Das Internationale Telex-Verzeichnis hieß nun „Telex+Teletex International“ und umfasste neun Bände mit über 1,7 Millionen Anschriften aus 218 Ländern. 1984 kam das erste Telefax-Verzeichnis mit Teilnehmern aus 102 Ländern auf den Markt sowie auch „Telex und Travel International“, ein internationales Handbuch der Hotel- und Tourismusbranche. Alle Werke erschienen dreisprachig in Deutsch, Englisch und Französisch. Mit der Ablösung des Telexverkehrs durch andere Medien ging der Absatz so stark zurück, dass der Verlag 1996 Konkurs anmelden musste.