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Deutsche Buch-Gemeinschaft
Berliner Allee, Sitz der Deutschen Buch-Gemeinschaft, um 1960, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Die Deutsche Buch-Gemeinschaft wurde von Paul Leonhard im Jahr 1924 in Berlin gegründet. Mit der Form einer Buchgemeinschaft beschritt er neue Wege, um Bücher an eine breite Schicht von Interessenten zu bringen. Die Deutsche Buch-Gemeinschaft führte als erste derartige Organisation die Möglichkeit der freien Buchauswahl aus den angebotenen Titeln ein, der von ihr geprägte Name „Buchgemeinschaft“ wurde zum Gattungsbegriff für diese Art des Buchvertriebs. Noch im Jahr ihrer Gründung eröffnete die Deutsche Buch-Gemeinschaft in Wien eine Niederlassung; der Vertrieb in Österreich florierte bald ebenso wie in Deutschland, und bereits Anfang der 1930er Jahre zählte die Deutsche Buch-Gemeinschaft über 500.000 Mitglieder. 1933 musste Paul Leonhard, der jüdischer Abstammung war, auf Druck der Nationalsozialisten seinen Posten als Geschäftsführer niederlegen. Unter dem Eindruck dieser Verfolgung starb er bereits 1934 mit 46 Jahren. Die Leitung der Deutschen Buch-Gemeinschaft übernahm nun seine (nicht-jüdische) Frau Erna (1897-1970). Die Buchgemeinschaft konnte ihre Arbeit bis 1945 durchführen, weil sie angesichts der großen Mitgliederzahl im Ausland (Österreich, Schweiz, Balkanländer) aufgrund der Devisenbeschaffung unter dem Schutz des Außenministeriums und des Finanzministeriums stand.

Nach 1945 begann der Wiederaufbau der in Berlin ausgebombten Deutschen Buch-Gemeinschaft zunächst in Hamburg und dann in DA, wohin Erna Leonhard mit ihren Mitarbeitern 1951 übersiedelte. Für ihre Verdienste um das deutsche Buchwesen und den Standort DA erhielt sie 1964 die Bronzene Verdienstplakette der Stadt DA und 1967 (in diesem Jahr zählte die Deutsche Buch-Gemeinschaft in der Bundesrepublik und im Ausland mehr als 1.500 Mitarbeiter, sowie 116 Filialen in Deutschland und 81 Niederlassungen in der ganzen Welt) das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Literarischer Leiter der Deutschen Buch-Gemeinschaft war seit 1948 Theodor Müller-Alfeld (1904-1993), der als Erster anregte, für Senioren Bücher im Großdruck zu verlegen, und 1969 mit der Johann-Heinrich-Merck-Ehrung ausgezeichnet wurde. Inhaber und schließlich auch Leiter der Deutschen Buch-Gemeinschaft wurde nach dem Tod seiner Mutter Ernst Paul Leonhard. Er setzte sich sehr für das internationale Ansehen und die Verbreitung der deutschen Literatur ein und war an der Stiftung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels beteiligt; Verdienste, für die er 1976 die Johann-Heinrich-Merck-Ehrung und 1977 das Bundesverdienstkreuz erhielt. Österreich, neben Deutschland das zweite große Standbein der Deutschen Buch-Gemeinschaft, verlieh ihm das Silberne Ehrenzeichen für besondere Verdienste um die Republik Österreich. 1970 wurde der „C. Bertelsmann Verlag“ mit 50 Prozent der Anteile stiller Teilhaber der Deutschen Buch-Gemeinschaft. In den 1980er Jahren begann sich bei allen Buchgemeinschaften ein kontinuierlicher Mitgliederrückgang bemerkbar zu machen. Im Januar 1989 kaufte Bertelsmann zunächst die Anteile der österreichischen Zweigniederlassung der Deutschen Buch-Gemeinschaft und erwarb im Juni desselben Jahres auch die Deutsche Buch-Gemeinschaft von Ernst Paul Leonhard, was das Ende für den Standort DA bedeutete.