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Zürtz & Hartmann, Hessische Motorfahrzeug-Industrie
Karl und Franz Zürtz mit zwei Zürtz-Rekord vor dem Darmstädter Schloss, Foto: Automobilhist. Archiv Werner Schollenberger, Ober-Ramstadt

Ab 1923 fertigten die Brüder Karl und Franz Zürtz unter dem Firmennamen „Motorradwerk Gebrüder Zürtz“ unter handwerklichen Bedingungen Motorräder. Das Firmenbüro lag offenbar in der Rheinstraße 17, während die Werkstatt in der Darmstraße 10 angesiedelt war. Franz Zürtz hatte bis 1923 bei den Euler-Flugzeugwerken – zunächst in DA, dann in Frankfurt – gearbeitet. Die Erfahrungen aus dem Flugzeugbau zeigten sich auch im Entwurf des Zürtz-Rekord Motorrads. Der obere Rahmen war mit einem vom Lenkkopf bis zur Hinterradaufhängung reichenden Blechbehälter verkleidet, der dem Motorrad ein unverwechselbares Aussehen gab. Die Motoren stammten von unterschiedlichen Herstellern, wie beispielsweise DKW, Columbus oder JAP. Zürtz-Motorräder nahmen an zahlreichen Rennen und Zuverlässigkeitsfahrten teil. Die Nachfrage für diese Maschinen scheint nicht sehr groß gewesen zu sein, denn bereits im Oktober 1924 drohte der Konkurs und die Firma wurde unter Geschäftsaufsicht gestellt.

Ein finanzkräftiger Partner sollte die Rettung bringen und am 06.12.1924 gründeten Karl und Franz Zürtz zusammen mit Adolf Hartmann aus Trebur die Firma „Hessische Motorfahrzeug-Industrie Zürtz & Hartmann GmbH“. Gebräuchlich war auch die Bezeichnung „HEMOFA Darmstadt“. Bald kam es zu Unstimmigkeiten in der Gesellschaft und am 23.06.1925 traten die Brüder Zürtz ihre Firmenanteile gänzlich an Adolf Hartmann ab. Die Firmenbezeichnung lautete nun „Hessische Motorfahrzeug-Industrie“. Ob die Fertigung der Zürtz-Rekord danach weitergeführt wurde, ist unklar. Wahrscheinlich wurde die Produktion bereits 1925 nach einem außergerichtlichen Vergleich eingestellt, und Adolf Hartmann versuchte die Baurechte zu verkaufen. Laut Handelsblatt war die Firma dann am 22.03.1927 als aufgelöst. Wie viele Zürtz-Rekord gebaut wurden, lässt sich heute nicht mehr ermitteln, aber die verschiedentlich in der Literatur genannten Produktionszahlen von etwa 2000 Maschinen scheinen eher unrealistisch hoch.

Lit.: Mergelkuhl, Peter: Oldtimer Markt, Gold-Rausch, Heft April 2000, Seite 250-251; Fahrzeugveteranenverein Dreieich e.V.: Katalog Fahrzeugbau im Rhein-Main-Gebiet, Dreieich 1997, S. 44.