Stadtlexikon Darmstadt

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SCH

Schuchard, Heinrich

Hutfabrikant
* 01.03.1813 Lauterbach/Oberhessen
† 27.03.1895 Darmstadt
In Lauterbach hatte die Hutmacherei, die den benötigten Filz von den Hasenhaarschneidern in Kelsterbach und Umgebung bezog, Tradition. Als Schuchard geboren wurde, zählte die örtliche Hutmacherzunft acht Meister, doch Vater Schuchard beschäftigte bestenfalls einen Gesellen. Der Sohn hatte, ehe er das väterliche Geschäft 1837 übernahm, „in den ersten Fabriken Deutschlands, der Schweiz und Italiens gearbeitet“ und den Verkauf dann erfolgreich auf die größeren Städte Frankfurt/Main, Mainz und Offenbach ausgeweitet. So konnte er bereits fünf Gesellen vorweisen, als er sich 1840 als „Hutfabrikant“ um die Verlegung seines Betriebs nach DA bemühte. Bürgermeister und Rat der Residenz lehnten zunächst ab, da die „hiesigen Hutmacher“ (fünf Meister und zehn Gesellen) „nur mit Mühe ihr Brot verdienten“. Am 15.02.1841 wurde Schuchard, der 1.000 Gulden Barvermögen nachwies, auf „höheren Befehl“ des Kreisrats dennoch „rezipiert“, sodass die erste Tochter 1842 in der Darmstädter Louisenstraße geboren wurde. 1851 gehörte Schuchard (mit Hüten und militärischen Kopfbedeckungen) zu dem runden Dutzend Darmstädter Firmen, die auf der Londoner Weltausstellung ausstellten. 1860 produzierte man mit inzwischen 110 Mitarbeitern rund 40.000 Filz- und Seidenhüte pro Jahr. Der „Hofhutfabrikant“, seit 1868 Träger des Ludewigs-, dann auch des Philipps-Ordens, erhielt 1876 die Ernennung zum Kommerzienrat. 1880 galt die Fabrik, die inzwischen bis zu 2.000 Hüte täglich auf den Markt brachte, als „die erste des Kontinents“ und war mit 250 Beschäftigten, noch vor Merck, der bedeutendste Fabrikationsbetrieb der Stadt. Schon zehn Jahre vor seinem Tod übertrug Schuchard die Leitung seinem bisherigen Teilhaber Paul Diehm. „H. Schuchard Nachf.“ erschien 1913 letztmals im Darmstädter Adressbuch. Bereits 1877 wurde in der Innenstadt die Schuchardstraße nach ihm benannt. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Alten Friedhof in DA.