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Parcus, August
Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Bankdirektor
* 18.11.1819 Mainz
16.07.1875 Darmstadt
Ludwig August Parcus wurde als Sohn des Staatsprokurators Johann Jacob Parcus und dessen Frau Luise Adelheid (geb. Köler) geboren. Er studierte Rechtswissenschaften in Gießen und trat 1846 in die Dienste der Hessischen Ludwigsbahn (Eisenbahn), zunächst als Sekretär des Verwaltungsrats. Das private Eisenbahnunternehmen mit Sitz in Mainz war 1845 mit der Konzession für die Strecke Mainz-Ludwigshafen ausgestattet worden. Lange Zeit hatte das Großherzogtum Hessen den Eisenbahnbau in der Provinz Rheinhessen vernachlässigt, sich zugleich gegen eine private Eisenbahngesellschaft positioniert. Auch nach der Erteilung der Konzession dauerte es aufgrund finanzieller und politischer Unwägbarkeiten noch einige Jahre, bis die Strecke in Betrieb genommen werden konnte. August Parcus, der von Beginn seiner Tätigkeit an in die Entwicklung des Bahnbaus involviert und 1852 zum Direktor der Ludwigsbahn aufgestiegen war, begleitete die Eröffnung der Strecke 1853 in leitender Funktion. Seit 1848 war Parcus verheiratet mit Margaret[h]e Grebert, Tochter des Mainzer Handelsmanns Gregorius Grebert. Der Ehe entstammten vier Söhne und eine Tochter.

Unter der Führung von August Parcus begann die Expansion der Ludwigsbahn. Als zweite Strecke wurde die Rhein-Main-Bahn in Angriff genommen, die Bingen über Mainz und die Landeshauptstadt DA mit Aschaffenburg verbinden sollte. Als Vorbedingung für die Erteilung einer Konzession wurde in DA die Bank für Handel und Industrie (Banken) gegründet, mit der die Ludwigsbahn 1855 einen Vertrag aushandelte, der ihr die Baurechte übertrug und die Finanzierung regelte. Parcus, der in die Verhandlungen maßgeblich involviert war, gab 1856 seine Stellung in Mainz auf und trat in die Direktionen der Bank für Handel und Industrie und der ebenfalls neu gegründeten Bank für Süddeutschland ein, beide mit Sitz in DA. Er gilt als Mitbegründer der Industrie- und Handelskammer im Jahr 1862.

Auch in seiner neuen Funktion als Bankdirektor blieb Parcus der Hessischen Ludwigsbahn verbunden. Als Mitglied des Verwaltungsrats der Ludwigsbahn, dessen Vizepräsident er 1866 und dessen Präsident er im darauf folgenden Jahr wurde, behielt er Einfluss auf die Ausrichtung des Unternehmens. Er gilt zumindest als einer der Initiatoren weiterer Strecken der Ludwigsbahn, etwa der von Mainz nach Frankfurt sowie der Rheinhessenbahn, die von Bingen über Alzey nach Worms führte. Auch hinsichtlich der Erteilung der Konzession zum Bau der Odenwaldbahn an die Ludwigsbahn 1868 gilt Parcus als Wegbereiter. Für die Regierung des Großherzogtums war Parcus ein wichtiger Gesprächspartner. Seine Expertise war nicht nur bei der Erteilung von Konzessionen gefragt, sondern etwa auch bezüglich Fahrplanfragen.

August Parcus wurden hohe Auszeichnungen zuteil, darunter 1859 das Ritterkreuz I. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen. Anlässlich des 25. Jubiläums seines Diensteintritts bei der Hessischen Ludwigsbahn erhielt er 1871 das Ritterkreuz I. Klasse des Ludwigsordens – dies ist besonders bemerkenswert, weil die Verleihung an Personen aus dem Kreise der Privatunternehmer eher selten war. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Alten Friedhof. Heute erinnert die Parcusstraße im Johannesviertel an ihn.

Lit.: Fuchs, Konrad: Eisenbahnprojekte und Eisenbahnbau am Mittelrhein 1836-1903. In: Nassauische Annalen 67 (1956), S. 158-202; Eisenbach, Ulrich: Von den Anfängen der Industrialisierung zur Engineering Region. 150 Jahre IHK Darmstadt Rhein Main Neckar, Darmstadt 2012; Darmstädter Ehrengräber, Darmstadt 2016 (Darmstädter Schriften 105), S. 180-182.