Stadtlexikon Darmstadt

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Klenganstalten
Tannenzapfenbrecher, 19. Jahrhundert, Stadtarchiv Darmstadt

Mindestens 400 Jahre lang, vom 16. bis zum 20. Jahrhundert, wurden in der Umgebung von DA Samen gesammelt und mit ihnen gehandelt, zunächst überwiegend Gräser und Heilkräuter, dann aber auch Baumsamen, v. a. die von Nadelhölzern. Die gesammelten Samen mussten für den Handel aus ihrer Umhüllung gelöst und von Unreinheiten befreit werden. Dieser Prozess geschah in Samendarren oder Klenganstalten. Um die Nadelholzsamen nach dem gefährlichen Sammeln in den Baumwipfeln aus den Zapfen zu lösen, mussten diese erhitzt werden, was zunächst durch Ausbreiten auf einem Kachelofen oder einfach in der Sonne geschah. Professionelle Klenganstalten nehmen ein ganzes Gebäude mit mehreren Stockwerken ein, das unterste enthält eine regelbare Heizung, darüber befinden sich mehrere Darrhorden. Die Zapfen werden oben eingefüllt, durchlaufen dann mehrere tiefere und wärmere Horden und Trommeln, bis alle Samen aus dem Zapfen gesprungen sind. Wichtig sind eine gleichmäßige Verteilung der Wärme und die gleichzeitige Zufuhr von Luft, damit die Zapfen ihre Feuchtigkeit verlieren. Anschließend werden die Samen in einer Walze mit rotierenden Bürsten entflügelt. Windfegen mit unterschiedlichen Drahtsieben trennen die Samen von Unreinheiten.

Stadtarchiv Darmstadt

Die Firmen „L.C. Nungesser“, „Konrad Appel“ und „Heinrich Keller Sohn“ hatten sich auf das Ausklengen der Samen und den Handel mit ihnen spezialisiert. Sie wurden alle Ende des 18. Jahrhunderts in Griesheim gegründet, sind dann aber im Laufe des 19. Jahrhunderts wegen der besseren Verkehrsanbindung nach DA umgezogen, zunächst Heinrich Keller, dessen Klenganstalt um 1860 zu den größten Firmen Deutschlands gerechnet wurde. Zu diesen Betrieben gesellte sich um 1870 noch die Firma „A. LeCoq & Cie“. Neue Aufforstungsmethoden mit Baumschulen verschlechterten um 1900 die Auftragslage der Klenganstalten. In den 1930er Jahren gingen alle vier Firmen in den Besitz von Karl und Kurt Eisele über. Die Firmen Nungesser (bis 1988) und Appel (bis 2003) blieben in Familienbesitz.