Stadtlexikon Darmstadt

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Stock, Christian
Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Ministerpräsident
* 28.08.1884 Darmstadt
† 13.04.1967 Seeheim-Jugenheim
Der Sohn eines Zigarrenarbeiters arbeitete nach dem Schulbesuch in Pfungstadt ebenfalls in der örtlichen Zigarrenfabrik, wurde aber als SPD-Mitglied schon 1910 hauptamtlicher Bezirksleiter der Tabakarbeiter-Gewerkschaft für Südhessen, Nordbaden und die Pfalz, bald darauf auch Leiter der gewerkschaftlichen Rechtsauskunftsstelle in Heidelberg. Im Ersten Weltkrieg Soldat, wurde er 1918 Vorsitzender des Heidelberger Arbeiter- und Soldatenrats und Mitglied der Weimarer Nationalversammlung. Er war kurzzeitig Unterstaatssekretär im Reichswehrministerium und wurde dann 1922 Direktor der AOK Heidelberg, zugleich SPD-Stadtrat und mehrere Jahre Landtagsabgeordneter. Stock wechselte 1932 nach Frankfurt/Main, wurde dort im Frühjahr 1933 entlassen und später mehrere Monate im badischen KZ Kislau inhaftiert. Der in den Folgejahren in der Darmstädter Grafenstraße betriebene Tabakladen war Treffpunkt der Regimegegner. Nach Kriegsende Leiter der Landesversicherungsanstalt in DA, dann der großhessischen LVA in Frankfurt, wurde Stock im Dezember 1946 nach der ersten Landtagswahl für vier Jahre hessischer Ministerpräsident. Zu den repräsentativen Auftritten seiner Amtszeit zählten die Jahrhundertfeier der Paulskirche und die Gedenkfeier zum 25. Todestag Friedrich Eberts 1950. Stock blieb auch in der zweiten Wahlperiode 1950/54 als Abgeordneter im Landtag. Mit zahlreichen Ehrenämtern lebte er vorwiegend im schon 1934 zum Hauptwohnsitz gewordenen Seeheim. Hier liegt auch seine Grabstätte. Für Schüler des dortigen „Schuldorf Bergstraße“ wurde aus dem Nachlass 1975 die „Christian-und-Anni-Stock-Stiftung“ errichtet. 1964 erhielt Stock das Ehrenbürgerrecht der Stadt DA.

Lit.: Hildebrandt, Armin (Bearb.): Von Weimar nach Wiesbaden. Reden und Schriften von Christian Stock, Darmstadt 1984; Schmidt, Frank: Christian Stock (1884-1967), Darmstadt 1997; Mühlhausen, Walter: Christian Stock 1910-1932. Vom Heidelberger Arbeitersekretär zum Hessischen Ministerpräsidenten, Heidelberg 1996.