Stadtlexikon Darmstadt

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Spieß, Adolf
Stadtarchiv Darmstadt

Turnpädagoge
* 03.02.1810 Lauterbach/Oberhessen
† 09.05.1858 Darmstadt
Der Lauterbacher Pfarrer Balthasar Spieß wurde schon 1811 nach Offenbach versetzt. Sohn Adolf absolvierte seine Schulzeit in der väterlichen Privat-Erziehungsanstalt, die von den Ideen Pestalozzis geprägt war, aber auch das von „Turnvater Jahn“ propagierte Turnen in den Lehrplan einbezog. Ab 1828 Theologiestudent in Gießen, zeitweilig auch in Halle, wo er sich eine nachwirkende Fechtverletzung einhandelte, galt sein Hauptinteresse zunehmend der Turnerei. 1830 organisierte er in Gießen eine eigene Turngemeinde. Aktives revolutionäres Engagement ist nicht bekannt, doch verließ er die Universitätsstadt nach dem Examen 1832, wurde Hauslehrer beim Grafen Solms in Assenheim und ging anschließend in die Schweiz. Als Gesangs-, Zeichen- und Turnlehrer in Burgdorf, wo er mit dem Pädagogen Friedrich Fröbel zusammenkam, und später in Basel, verfasste Spieß eine vierbändige „Lehre der Turnkunst“ (1840-46). Der März-Aufbruch 1848 rief ihn nach Hessen zurück, wo ihm die neue Darmstädter Regierung als Assessor im Oberstudienrat die Organisation des Schulturnens im ganzen Land übertrug (Sport in DA). Die 1852 unter Mitwirkung von 22 Schulklassen eingeweihte Turnhalle an der Kapellstraße in DA war die erste im Bundesgebiet. Beratungs- und Fortbildungsmissionen führten Spieß in verschiedene Teile Hessens, aber auch nach Frankfurt/Main und Oldenburg. Schon 1858 ist Spieß an den Spätfolgen der Lungenverletzung aus der Studentenzeit gestorben. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Alten Friedhof in DA. Der 100. Todestag wurde mit Festakten in DA wie in Lauterbach gefeiert. In Darmstadt erinnert die Adolf-Spieß-Straße an ihn.

Lit.: Schlosser, G.: Der Vater des deutschen Freiturnens. In: Daheim (1865), S. 688-692; Neue Deutsche Biographie. Hrsg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Bd. 24, S. 693f.; Darmstädter Ehrengräber, Darmstadt 2016 (Darmstädter Schriften 105), S. 235-237.