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Moller-Haus

(Logen) Für die 1816 gegründete Freimaurerloge „Johannes der Evangelist zur Eintracht“, unter deren Gründungsmitgliedern der 1774 in Moskau in den Freimaurerbund aufgenommene Großherzog Ludewig I. und Georg Moller waren, stellte der Großherzog ein Baugrundstück in der Sandstraße 10 zur Verfügung. Moller entwarf das Versammlungshaus, das 1818 eingeweiht und bezogen werden konnte. Es besaß einen T-förmigen Grundriss mit einem fensterlosen Hinterbau, in dem sich der Logensaal befand, sowie einen quer gestellten Vorderbau mit Säulenportikus und Freitreppe, in dem ein Vorsaal, ein Konferenzzimmer und ein Gesellschaftszimmer lagen. 1826 schuf Philipp Johann Scholl (1805-1861) die zwei Sphingen, die links und rechts der Treppe aufgestellt wurden. Ab 1854 konnte die Loge das südlich angrenzende große Gartengrundstück erwerben und als Park nutzen. Nachdem die Nationalsozialisten 1933 die Loge verboten hatten, nutzte die Tanzschule Bäulke die Räumlichkeiten, bis das Gebäude im Krieg fast vollständig zerstört wurde.
Als sich direkt nach Kriegsende die Loge wieder gründete, beschlossen die Mitglieder den Aufbau des im Krieg zerstörten Logengebäudes und kauften es 1948 gemeinsam mit der Stadt zurück. Erhalten waren nur der Portikus mit sechs Säulen und die beiden Sphingen entlang der Freitreppe. Ein Wiederaufbau kam deshalb für die Architekten Rolf Romero und Lothar Willius nicht infrage. Stattdessen errichteten sie in den Jahren 1962 bis 1966 einen Neubau unter Verwendung des leicht veränderten Säulenportikus. 1998 überließ die Stadt den „Gartensaal“ und seine Nebenräume einem Trägerverein der Freien Theaterszene, welche die Räume seither als Probe- und Spielstätte des Theaters Moller-Haus nutzt.

Lit.: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Hessen. Stadt Darmstadt. Hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen in Zusammenarbeit mit dem Magistrat der Stadt Darmstadt – Denkmalschutzbehörde – Braunschweig, Wiesbaden 1994, S. 144; Frölich, Marie Sperlich, Hans-Günther: Georg Moller. Baumeister der Romantik, Darmstadt 1959, S. 158-160; Ambach, Hans: 200 Jahre Freimaurer in Darmstadt, Johannnes der Evangelist zur Eintracht 1816-2016, Darmstadt 2016.