Stadtlexikon Darmstadt

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Ludwig, Paula
Foto: Sabine Lemke, Stadtarchiv Darmstadt

Dichterin
* 05.01.1900 Altenstadt bei Feldkirch/Vorarlberg
† 27.01.1974 Darmstadt
Deutschland insonderheit im 20. Jahrhundert ist vielleicht zahlenmäßig, aber gewiss nicht auf Qualität bezogen reich an Lyrikerinnen; die große Nelly Sachs fällt einem da ein, aber danach schon bald Paula Ludwig, die herb-schöne Tochter eines schlesischen Tischlergesellen und einer Österreicherin, mit ihren Traumerzählungen, Frauenliedern und Muttergesängen. Umso schlimmer, dass diese großartige, durch Hölderlin, Rilke und die Expressionisten angeregte Malerin und Dichterin, die nicht minder als Persönlichkeit so achtungsgebietend beeindruckend wie anziehend war, selbst in DA, wo sie freilich nur die letzten Jahre ihres Lebens ein kleines Auskommen fand, so vollständig vergessen zu sein scheint. Aufgewachsen nach der Trennung der Eltern in einem Dorf bei Linz, lebte sie 1919 in München, 1923 bis 1933 in Berlin als Modell, Malerin, Muse, Dichterin. Jahrelang lebensbestimmend war die leidenschaftliche (und leidenschaftlich erwiderte) Liebe zu Iwan Goll; seine Frau Claire hat es ihr über seinen Tod hinaus nicht verziehen (sechs Jahre dauerte es, bis sie die Erlaubnis zur Publikation von Versionen seiner Gedichte gab, deren Handschriften Paula Ludwig besaß). Die Emigration führte sie über Österreich, Frankreich, Spanien und Portugal nach Brasilien, von wo sie 1953 zurückkehrte, ohne so recht noch einmal heimisch zu werden, und wenn, dann eher noch im Land der Deutschen als in ihrer einst schier unübertrefflich gehandhabten Sprach- und Verskunst. Icking bei München, Götzis im Vorarlberg, Düsseldorf, Wetzlar waren die Stationen, immer leidend an Depresssionen, Alkohol und den fehlgeschlagenen Versuchen als Lyrikerin wieder Fuß zu fassen, bevor sie 1970 in DA zur Ruhe kam und hier 1974 verstarb. Ihr Ehrengrab befindet sich auf dem Waldfriedhof. 2001 benannte die Stadt DA anlässlich ihres 100. Geburtstags den Platz Stiftstraße/Nikolaiweg an der Mathildenhöhe in Paula-Ludwig-Platz.

Werke: Die selige Spur. Gedichte, München 1919; Der himmlische Spiegel. Gedichte, Berlin 1927; Dem dunklen Gott. Gedichte, Dresden 1932 (Neuausgabe 1974); Traumlandschaft. Prosa, Berlin 1935; Buch des Lebens (Autobiographie), Leipzig 1936; Gedichte, Ebenhausen 1958; Träume. Aufzeichnungen, Ebenhausen 1962; Gedichte. Gesamt-Ausgabe, hrsg. von Kristian Wachinger und Christane Peter, Ebenhausen 1986.

Lit.: Zuegg, Hiltraud: Die Entwicklung der lyrischen Sprache bei Paula Ludwig, Diss. Innsbruck 1972; Längle, Ulrike: „Ich bin eine obdachlose Dichterin“, Salzburg, Wien 1993; Diegelmann, Karin / Obermüller Barbara: Orte der Ruhe und der Kraft. Bedeutende Frauen auf Darmstadts Friedhöfen, Darmstadt 2003; Swozilek, Helmut (Hrsg.): „Aus tausend Spiegeln sehe ich mich an“. Paula Ludwig 1900-1974 / Dichterin / Malerin, Bregenz 2004; Darmstädter Ehrengräber, Darmstadt 2016 (Darmstädter Schriften 105), S. 137-139.